Wir sind nicht eure Tangente!

Vor lauter Euphorie über die neue 4er-Linie nach Bahnhof Altstetten Nord haben die VBZ und mit ihnen leider auch etliche auswärtige Quartierbeobachter offensichtlich eines vergessen: Züri-West exisitiert nicht erst seit dem Fahrplanwechsel 2011. In den Quartieren Grünau, Hardturm und im unteren Teil von Höngg leben mehrere Tausend Bewohner schon seit Jahren, teilweise Jahrzehnten. Und diese fordern zu Recht, dass sie auch in Zukunft eine direkte Tramverbindung zum Hauptbahnhof und ins Zentrum haben.

Das Thema gärt seit dem Fahrplanwechsel 2011, am 25. September kommt es in der Wasserversorgung zum ersten Showdown mit den VBZ-Verantwortlichen.

Die Ausgangslage zur Erinnerung:

Hallo VBZ, ist da jemand?

Inzwischen haben auch die VBZ eingesehen, dass die limmatseitigen Quartiere grössere und bequemere Fahrzeuge verdienen: seit einigen Monaten verkehren alternierend Cobras und Tram 2000 mit Anhänger auf der 17er Linie. Nichtsdestotrotz haben die VBZ-Planer schon den nächsten Pfeil gegen Grünau/Hardtum im Köcher.

Der 17er ist nämlich nur ein Provisorium, 2016 soll die Linie eingestellt werden. An ihrer Stelle will die VBZ den 8er ab Hardplatz über die Hardbrücke und Escher-Wyss-Platz nach Werdhölzli führen. Eine Hauseckenlinie, die niemandem was bringt (ausser er wohne in den Bernoulli-Häusern und arbeite im Prime Tower ;-)) Was dafür fehlt ist die direkte Verbindung an den Limmatplatz (noch immer das heimliche Shopping Center dieser Quartiere) und vor allem an den HB (mit seinen vielen Umsteigemöglichkeiten).

Die VBZ machen sich's etwas gar einfach mit ihrer Rechtfertigung. Hier ein Beispiel dafür: "Diese tangentiale Verbindung der neuen Linie 8 mit Endhaltestelle Werdhölzli erweitert das bestehende Tramnetz optimal."

"Mit dem Tram über die Hardbrücke"

Ich hatte damals schon auf die Unbrauchbarkeit dieses Projekts hingewiesen und leider keine befriedigenden Antworten erhalten, da ich weder in Wetzikon noch in Winterthur oder Bern arbeite und im allgemeinen lieber IC- oder ICN-Züge benutze als S-Bahnen. (Mal abgesehen, dass es mich nervt, wenn behauptet wird, die Hardbrücke hätte auch mit neuen Lichtsignalanlagen fürs Tram genügend Kapazität, und man den Stau einfach nach Unterstrass und Schwamendingen respektive Wiedikon verschiebt.)

Der Hintergrund dieser tangentialen Schönfärberei wird immer wieder verschwiegen: die Kapazitäten an den Haltestellen rund um den Hauptbahnhof sind offenbar ausgeschöpft. Die Tramlinien, die traditionell sternförmig vom Zentrum in die Aussenquartiere führten, sollen also entflechtet werden. Warum ausgerechnet Grünau/Hardturm das Opfer erbringen sollen, ist unbekannt. Respektive zeugt von der Geringschätzung der VBZ gegenüber dem bewohnten Teil von Züri-West.

An der Veranstaltung im Wasserwerk vom 25. September besteht Gelegenheit, den VBZ-Verantwortlichen und ihrem politisch Verantwortlichen dies mal klarzumachen.

Rainer-Marc Frey, ex UBS-Hedgefondsmanager jetzt Besitzer der 600 Quatratmeter-Wohnung im Mobimo-Tower, ist nicht zugestiegen: der 4er fährt leer durch den neuen Teil von Züri-West.
Viel Betrieb im 17er: das Proletariat von der Hardturmstrasse auf dem Weg zum Hauptbahnhof.

Karte wird geladen ...

Logo Westnetz