Wenn Frauen lieben

Es gibt diverse Beispiele dafür, wie der schwedische Film mit gleichgeschlechtlicher Liebe umgeht. Das neueste Beispiel ist «Kyss Mig».

Text von Angel Rose Schmocker

Als der beste lesbiche Liebesfilm seit langem wird «Kyss Mig» bereits gefeiert. Am Zurich Film Festival noch unter der Rubrik „Neue Weltsicht“ präsentiert, ist dieses skandinavische Juwel von Regisseurin und Drehbuchautorin Alexandra-Therese Keining bereits auf dem Weg in unsere Kinos.

Zur Geschichte.

Frida liebt Mia. Mia ist mit Tim verlobt. Fridas Mutter heiratet Mias Vater.

Bei soviel Liebe kann nichts schiefgehen, denkt man. Ein Sturm zieht langsam auf und taucht die eingespielte Szenerie in ein neues Licht.

Denn bei der Verlobungsparty ihres Vaters trifft die dunkle, unnahbare Mia auf die lebensfrohe Musiklehrerin Frida und es ist nichts mehr wie es mal war. Mias Existenz bestand bis dahin aus einem Leben, das sie sich mit ihrem Lebenspartner Tim aufgebaut hat, beruflich und privat. Daneben betreibt sie Bemühungen, die gestörte Beziehung zum Vater wieder aufzubauen, dem sie die Schuld an der gescheiterten elterlichen Ehe gibt.

Mias Bruder versucht zu vermitteln und plötzlich finden sich die zwei unterschiedlichsten Frauen auf der Fähre Richtung Insel Fynn wieder.

Mia soll dort nämlich den Ausbau des Ferienhauses ihrer zukünftigen Stiefmutter besichtigen. Die Zuneigung, die beide Frauen füreinander empfinden, wandelt sich in Küsse, nächtliche Badeausflüge und sexuelle Annäherungen, und plötzlich können Dinge nicht mehr einfach zurückgenommen werden. Alle bemerken, dass etwas nicht stimmt.

Ist es anfangs noch Fridas Part, die unerwiderte Liebende zu sein, wird bald klar, dass Mias Herz nicht weniger traumatisiert wird von der Scharade, die sie sich, ihrer Familie, Frida, und Tim zumutet. Manchmal gibt es Dinge, die jenseits von Kontrolle und Bewusstsein liegen und je länger man eine Entscheidung verdrängt, desto unangenehmer wird die Situation für alle Beteiligten. In der Zwischenzeit gibt es für uns als Zuschauer schwedisches Kino auf höchstem Niveau zu sehen.

Authentisch und berührend driftet «Kyss Mig» nie ins Kitschige ab, was einerseits an der guten Kameraarbeit und den intelligenten Dialogen liegt.

Die sanfte, aber rhythmische Filmmusik und die faszinierend geschmackvollen Liebesszenen (was beide Geschlechter betrifft) verleihen der Produktion die extra Power, die mich zuversichtlich werden lässt, dass diese Geschichte die Beachtung finden wird, die sie verdient.

«Kyss Mig» porträtiert nicht die Liebesgeschichte von zwei Lesben, sondern von Menschen. Kein exotisches Experiment, sondern eine Liebesgeschichte, die Heterosexuellen in Nichts nachsteht und dabei ohne viel Worte auskommt.

Mein Rat zu diesem Thema: Öfters nordisches Kino geniessen, die können das ganz gut.

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