Piiiiiiiiep

Am kommenden Wochenende jährt sich die Streetparade zum 20. Mal. Die grösste Technoparty der Welt lädt zum Tanz und lockt wieder hundertausende feierfreudige Besucher nach Zürich.

Gefahren lauern während den rauschenden Partystunden überall. Drogen und Alkohol im Übermass, und am Schluss noch eine Geschlechtskrankheit mit auf den Weg. Behörden und Organisationen haben die Gefahren erkannt und Präventionsarbeit geleistet. Safer-Sex und Stop-Aids ist den meisten bekannt; das von Saferclubbing.ch angebotene Drogentesting am Bürkliplatz ist vielen Konsumenten zumindest ein Begriff. Bei all den hervorragenden prophylaktischen Massnahmen gerät aber etwas meist in Vergessenheit: Die laute Musik!

Zwar ist der Veranstalter gesetzlich gezwungen, sog. Hörsturz-Verhüterli an die Partygäste zu verteilen (und weist auf der Homepage auch daraufhin), die Schaumstoff- oder Plastikpfropfen nützen direkt vor dem Boxenturm eines Lovemobiles aber wenig. Noch viel häufiger ist es so, dass die Partygänger die Ohrenschalldämpfer gar nicht erst verwenden.

Das Thema Hörschutz ist bei den Leuten irgendwie unbeliebt und in Feierlaune schnell vergessen. Nach der Party ist man zu müde, als dass man sich vom Pfeifen im Ohr vom Schlafen abhalten lässt und am Morgen danach dröhnt der Schädel in anderen Regionen. Einige werden sich vielleicht vornehmen, beim nächsten Mal die Stöpsel zu benutzen. Ist das nervtötende Pfeifen und Rauschen aber erstmal verschwunden, geht auch dieser Vorsatz dahin.

Unvernunft

Kann man denn überhaupt etwas gegen die Unvernunft der Leute tun? Bei brütender Hitze Alkohol zu trinken ist ja auch “birreweich” und trotzdem landen nicht wenige Besucher in den Zelten der Sanis.

Die steigende Zahl an Höhrgeschädigten in der Schweiz lässt vermuten, dass selbst die Millionen teuren Hörschutzkampagnen der SUVA nicht die erhoffte Wirkung zu erzielen vermögen.

Was aber sicher nicht hingenommen werden darf, ist, wenn Kinder der lauten Musik ohne ausreichenden Hörschutz ausgesetzt sind. Seit die Streetparade auch ein Volksfest ist, tummeln sich unter den Besuchern vermehrt Kinder mit ihren Eltern. Aus Fahrlässigkeit oder/und Unwissen, viele der Eltern schützen die Ohren ihrer Kinder und die eigenen nicht.

Eine kleine Auffrischung in Sachen Lärm schadet darum sicher nicht und verhindert so vielleicht den einen oder anderen irreversiblen Gehörschaden:

Lärm

Gesetzlich betrachtet, ist Lärm die Überschreitung einer bestimmten Schallgrenze; physikalisch gesehen besteht der Lärm aus Schallwellen, die von den Ohren wahrgenommen werden.Egal aus welcher Sichtweise, ab einem bestimmten Dezibelpegel wird das Gehör geschädigt. Problematisch ist, dass man Höreinbussen nicht unmittelbar wahrnimmt. In der Regel schädigt Lärm das Gehör langsam und unbemerkt, aber stetig.

Vergleiche zum Alltag:

  • 20 dB: Leises Atemgeräusch
  • 50 dB: Vogelgezwitscher
  • 70 dB: Lautes Lachen, Fernseher
  • 80-85 dB: Telefonläuten, Autobahn (max 40 Stunden pro Woche ohne dauerhafte Schädigung)
  • 90 dB: Schreien
  • 95 dB: Grenzwert der Schalleinwirkung an öffentlichen Veranstaltungen (max 3h)
  • 100 dB: Grenzwert Disco und Clubs oder max Kopfhörer-Pegel (max 1h)
  • 110-115 dB: Kettensäge oder Rock-/Popkonzert (mit einigem Abstand zur Bühne) (max 7 min)
  • 120 dB: Neben Presslufthammer. Grenze zum Unwohlsein (max 45 sek)
  • 130 dB: Schmerzschwelle
  • 140 dB: Düsentriebwerk in 25 Metern Entfernung
  • 160 dB: Ohrfeige à la Bud Spencer
  • 170 dB: Schusswaffe (aber nicht in Hollywood)

Wenn der Lärm nicht eindeutig über der Schmerzgrenze liegt, kann niemand vorhersagen, wann genau eine Gehörschädigung eintritt. Die Kombination aus Schallpegel (dB), Frequenz (Hertz) und Einwirkzeit sind massgebend. So kann bereits eine niedriger Dezibelpegel zu Schäden führen.

Liegt die Lösung des Lärmproblems vielleicht bei den Veranstaltern oder Gesetzgebern? Gemäss Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich (UGZ) lag der Durchschnittspegel der letztjährigen Streetparade bei 96,5 dB. Dies entspricht einer maximalen Hörbelastung von drei Stunden ohne dauerhafte Hörschädigung! Die meisten Partybesucher ohne ausreichenden Gehörschutz werden sich aber länger der Musik ausgesetzt haben. Die UGZ musste sogar 4 der 29 Lovemobiles anweisen, den Pegel von 116 Dezibel (Kettensäge im Ohr) zu reduzieren. Sieben Minuten sind da nicht viel Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Bedenklich ist, dass die Organisatoren der Street Parade eine Ausnahmebewilligung für einen Pegel von 100 Dezibel erhalten haben. Nicht einmal der Gesetzgeber berücksichtigt die gesundheitlichen Risiken von Lärm.

Wer sich also einer langjährigen psychiatrischen Therapie entziehen möchte, bei der man lernt, mit einem Tinitus zu schlafen, möge doch in Zukunft beim Partymachen Ohrstöpsel tragen. (Und nicht nur an der Streetparade liebe Zürich-West-Ausgängler)

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