Der heisse «Härdöpfel» liegt wieder bei der Stadt

Stadtrat Andres Türler nahm fast 9000 Unterschriften aus den betroffenen Quartieren entgegen. Sie alle fordern den Erhalt der Tramlinie 17. Doch viel kann der ÖV-Vorsteher nicht tun.

Das Grüppchen vor dem Ratshaus an der Limmat wird grösser, Ballone werden aufgeblasen. Ein Transparent mit der Aufschrift «Tram 17, weil wir nicht nur pendeln, sondern auch hier wohnen» wird ausgerollt. Das Trottoir bietet nun nicht mehr genügend Platz für alle. Stadtrat Andres Türler diskutiert mit zwei Petitionären, die zuvor gerade Zeuge eines riskanten Tram-Überholmanövers eines Velofahrers wurden. «Sehen sie und später beschuldigt man wieder die VBZ, wenn etwas passiert», meint Türler. Nein, nein, entgegnet das ältere Pärchen, so hart sei man schon nicht mit den Verkehrsbetrieben. Ein weiterer Petitionär springt in die Diskussion ein und fragt den FDP-Stadtrat, ob er denn im Ratshaus arbeite oder wieso er heute hier sei.

Ballone dekorieren das Ratshaus

Nun ergreift Marie-José Wolf von der IG Hardturmquartier das Wort und richtet sich im Namen der Petitionäre an Andres Türler. 8969 Unterschriften sind zusammengekommen, Unterschriften aus den Quartieren Hard, Grünau, Wipkingen und Höngg sowie aus dem Gewerbe entlang der 17er-Strecke. Sie alle verlangen die Beibehaltung der Direktverbindung an den HB des 17ers auch ausserhalb der Stosszeiten. Das Thema steht seit dem Tram Zürich-West, der neuen Linienführung des 4er-Trams und der Einführung des 17ers im Raum. Der 17er war eigentlich gar nicht so lange geplant, bis die Stadt entschied, den Betrieb bis 2016 aufrecht zu erhalten. Danach sollte der 8er die Strecke bedienen.

Marie-José Wolf von der IG Hardturmquartier

Doch nun gibt es Widerstand von allen Seiten. Ein SVP-Behördenreferendum im Kantonsrat hat die Finanzierung des Projekts aufs Eis gelegt – mit der Folge, dass nun die Stimmbürger des Kantons darüber abstimmen müssen, ob der 8er künftig über die Hardbrücke fahren darf oder nicht. Die Quartierbevölkerung entlang des 17ers hat mit der Petitionsübergabe ihre Stellung nochmals bekräftigt.

Nochmals beim Kanton anklopfen

ÖV-Vorsteher Andres Türler bedankt sich bei den erschienenen Petitionären für ihren Einsatz. Wie auch bei anderen Anlässen fällt sein mittlerweile bekannter Spruch: «Das Tuch wird leider nicht grösser», man bekomme vom Kanton leider nicht mehr Geld. Und auch dieses Mal wurde das Tuch nicht grösser. Aber er werde nochmals beim Kanton anklopfen. «Besser wäre es gewesen, wenn sie direkt zu Ernst Stocker gegangen wären», meint Türler. Regierungsrat Stocker ist für die Petitionäre aber zu wenig nah an der Bevölkerung. «Wir fühlen uns besser bei Herrn Türler aufgehoben, als beim anonymen Kanton», sagt Walter Vismara, Co-Präsident der IG Hardturmquartier. Natürlich habe der Kanton das sagen aber am Schluss müsse die Stadt hinter dem Ganzen stehen, sonst gäbe es gar keinen Fortschritt.

Stadtrat Andres Türler hört sich die Vorwürfe an

Die Petition ist also eingereicht – mit welcher Wirkung bleibt noch offen. Das ist auch den Petitionären bewusst, fordern aber vor allem von der Stadt, dass sie nun die Initiative ergreift. «Der heisse Härdöpfel will niemand entgegennehmen, aber es ist ein Problem der Stadt, also soll sich auch die Stadt darum kümmern», sagt Vismara.

Karte wird geladen ...

Logo Westnetz