Patrick Frey und Miss Bern-Ost

Miss Schweiz war gestern! Bis am 29. Juni können Sie sich noch ammelden für die Wahl zur Miss RVBW 2012 d.h. zur Miss Regionale Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen. Wie es dabei zu und her gehen wird, zeigt ein neuer Fotoband.

Das Thema ist hochaktuell. Seit das Schweizer Fernsehen die Miss-Wahlen aus dem Programm gekippt hat, sind sie plötzlich wieder Gesprächsgegenstand. Das letzte Mal waren mir die Missen aufgefallen als irgendwelche Info-Pharisäer „Skandal!“ kreischten, weil Missen nicht wussten wie die Bundesräte heissen. Ich weiss weder wie die Fussballer der Saison heissen, noch wüsste ich je wer Miss Schweiz ist. Als man den späten Dichter Dürrenmatt etwas über den damaligen oder gerade gewesenen Justizminister Koller fragte, hatte Dürrenmatt keinen Schimmer, wer Koller sein könnte In allen Fällen: Egal.

Unsere Gesellschaften differenzieren sich ständig aus. Das hat zur Folge, dass es einige Ausnahme-VIPs gibt, die global bekannt sind: Obama, Lady Gaga, Bin Ladin,Steve Jobs. Normalfall ist das Gegenteil. Immer spezialisiertere Milieus wissen Bescheid in hochspezifischen Belangen. Bei den Missen heisst dass dann Miss Bern Ost oder Miss Polefitness.

Adieu Miss Schweiz! Willkommen Miss Russsia Schweiz! Willkommen Miss Ferme! Willkommen Miss Furttal. Hallo Miss TriRegio!

Der Versuch zum grossen gemeinsamen Ganzen in Sachen nationaler Miss ist Vergangenheit. Genauso wie der mediale Standard des grossen gemeinsamen Ganzen:TV und Zeitung. Zukunft hat das Kleinräumige, der Special Interest, der Spleen, das Ultralokale.

Und genau das hat Martin Guggigisberg in Sachen Missen sechs Jahre lang dokumentiert. Hoch spezifizierte Misswahlen, die eine Schönheitskür ohne viel Brimborium auf das zurück führen, was eine solche Wahl eigentlich ist: Eine Sponsoringkiste mit ein paar Mädchen, die es in die Scheinwerferkegel drängt. Wo gegen ja nix zu sagen ist.

Martin Guggisberg: Missen-Fotograph vor dem Westflügel

Kern von Guggisberg Buch ist das Stinknormale im Ausdifferenzierten. Bei Bern Ost etwa fallen Glamour und dieser aufgekratzte Ausnahmezustand weg, den nationale Miss-Wahlen (wenigstens als Lüge) noch behaupten.

Übrigbleiben die üblichen Verdächtigen lokaler Betriebsnudeligkeit, ein wenig Marketing, sowie ein paar junge Frauen, die auf etwas anderes als das Einerlei ihrer Existenzen hoffen. Das wirkt platt und arg provinziell. Wobei stets grosse Gefühle mit schwingen: Sehnsucht, Hoffnung, Geschlechtsumtriebe.

Das gibt Spannung: Hier das Spektakel (eine Misswahl!), grosse menschliche Themen ( Jugend! Sexus! Schönheit! Wettbewerb! Krönung! ). Da das Prosaische (Sponsoren-Aufdringlichkeit. Schmierige Kerls, Missenmakel in Form von Bäuchlein. Doppelkinn. Oder schlechter Haltung). Deshalb wirken lokale Misswahlen zuweilen so komisch und haben Fallhöhe.

Das macht Guggisbergs Fotografien so interessant. Man findet in ihnen viel von der conditio humana, der Art wie es im menschlichen Leben seit jeher so zu und her geht. Exemplifiziert an einer Momentaufnahme aus der Schweiz. Und das ist das Merkmal der Bücher der Edition Patrick Frey: Auf den ersten Blick dokumentieren sie langweiligen und normalen Alltag. Je öfter man sie sich ansieht, je länger man sie hat, desto exotischer und schärfer und - gleichzeitig - allgemeingültiger werden sie.

Patrick Frey an der Vernissage des Missen-Buch
Mehr über die Edition Patrick Frey.
Ihre Chance! Werden Sie Miss RVBW oder Miss Regonale Verkehrsbertriebe Baden-Wettingen 2012.
Anmeldung bis zum 12. Juni mit Ganzkörperfoto bei Corinne Gubler.

Galerie

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