Messer in Hennen

David Harrowers „Messer in Hennen“ wird im Schiffbau aufgeführt – mit echten Hennen, Schweinen und einem grossartigen Ensemble. Hingehen!

Die Zuschauer wirken etwas überrumpelt, als sie in die Box des Schiffbaus laufen, um ihre Plätze einzunehmen. Statt bequemer Sitze stehen dort karge Holzbänke, der Boden ist mit Stroh bedeckt und ab und zu flattert ein Huhn durch den Raum. Auf der Bühne liegt ein totes Pferd, neben ihm ein toter Mann – William –, dazwischen die Hühner und später auch Schweine, die sich auf die Leichname stürzen. Das groteske Bild wird durch Williams Frau und den Müller Gilbert Horn, beide mit in Blut getränkte Hände, vervollständigt. Die Szene ist vorgegriffen; der Mord an William geschieht nämlich erst gegen Ende des Stücks. Trotzdem herrscht von Anfang an eine gruselige Atmosphäre, die vor allem der hervorragenden Schauspielkunst der Darsteller (Sarah Hostettler, Nicolas Rosat und Jlrka Zett) zuzuschreiben ist. Die Handlung in kurz: William und seine junge, tief religiöse Frau sind einfache Bauern. Statt um seine Frau kümmert sich William lieber um seine Pferde, was ihm im Dorf den spöttischen Spitznamen „Pony-Williams“ einbringt. Für die vielen kindlichen Fragen seiner Frau zur Natur und der Funktion des Menschen hat er kein Verständnis und ignoriert sie stur.

Eines Tages schickt er seine Frau zum Müller, von dem die Leute glauben, dass er ein Hexer sei und seine Frau getötet habe. Alle im Dorf hassen den Müller Gilbert Horn, weil er Dinge kann und Dinge versteht, von dem sie keine Ahnung haben und somit als Teufelszeug ansehen. Lesen und Schreiben zum Beispiel. Gilbert regt Williams Frau zum Nachdenken und Hinterfragen an und so zweifelt sie bald an Traditionen, Bräuchen und ihrer Ehe. Die Frau und Gilbert lieben sich und töten schliesslich den Bauern. Daraufhin geht Gilbert weg in die Stadt, wo es Bücher und Wissen gibt. Die Frau erkennt die Fähigkeiten ihres eigenen Verstandes und dass die Gedanken in ihrem Kopf ihr gehören und nicht von Gott da hineingepflanzt wurden.

Dank der Leistung der Schauspieler, dem imposanten Bühnenbild und nicht zuletzt wegen der Story selber ist das Stück packender als jeder Thriller. Allerdings wird die Konzentration ab und zu durch ein aufgescheuchtes Huhn gestört, das sich den Kopf eines Zuschauers als Landeplatz ausgesucht hat. Überhaupt ist die Aufführung nichts für Zartbesaitete und Vogelphobiker. Wer bei Bauernhofgestank und herumfliegendem Stroh heikel reagiert, der sollte besser ein anderes Stück besuchen. Doch wem es nicht gleich den Magen umdreht, wenn vor seinen Augen ein totes Huhn gerupft wird und dessen Federn gierig von den Schweinen aufgefressen werden, der darf sich „Messer in Hennen“ auf keinen Fall entgehen lassen! Ein Wahnsinnsstück und eine Wahnsinnsinszenierung der Regisseurin Heike M. Goetze, die den Zuschauer noch lange nachdenklich und mit einer Gänsehaut zurücklässt. Bravo!

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