Mehr Kultur und Sport

Während kleine alternative Stadtkinos immer mehr verschwinden und bei manchen sogar von einem drohenden Theatersterben die Rede ist, will die Stadt Zürich günstige Rahmenbedingungen für Kultur und Sport schaffen. Der Verein Kulturweid bezweckt eine gemeinsame und effektive Kulturförderung für das Quartier und Umgebung.

Quartierleben müsse primär aus dem Antrieb und den Ideen der Bevölkerung entstehen und nicht von der Verwaltung oder Politik vorgegeben werden, meinte André Odermatt (SP), am letzten "Zürich-West Diagonal" Anlass. Damit beantwortete er die Frage, ob die Stadt etwas plane für den Abschnitt zwischen Hardbrücke und Toni-Areal, welcher ein Zuhörer als trist und öde bezeichnet hatte. Am Abend sei das Gebiet wie ausgestorben, meinte der Zuhörer. Odermatt wies darauf hin, dass durchaus Angebote vorhanden seien, wie zum Beispiel mit dem Musikklub Mehrspur und vereinzelten Restaurants. Zudem ermuntere die Stadt private Investoren, in den Erdgeschossen Flächen für Läden sowie gastronomische und kulturelle Nutzungen zu schaffen. Es gäbe genügend Potential, denn schliesslich frequentieren tagsüber Tausende Erwerbstätige und Studenten das Gebiet. «Aber es braucht Zeit, bis Restaurantbetreiber und Kulturschaffende den Mut haben, sich hier einzunisten», so der Vorsteher des Zürcher Hochbaudepartements.

Blick auf Gleise vom Pfingstweidareal. (Bild Kulturweid)

Es stehen zwar noch Container, Bagger und Kies dort, wo im Sommer ein Park und bis 2017 ein Schulhaus stehen soll, aber in einem Monat wird auf dem Areal nördlich des Pfingstweidparks bereits der neue Verein Kulturweid eröffnet.

Vor ein paar Monaten fand der UBS Manager und ehemaliger Gemeinderats-Anwärter Marco Engesser (FDP) einen Flyer der Stadt Zürich in seinem Briefkasten. Antonella Martegani, welche für die Quartierkoordination des Kreis 4/5 verantwortlich ist, suchte Interessenten, die Ideen hätten für die Zwischennutzungen auf der Pfingstweid. Engesser fühlte sich gleich angesprochen, bereits am ersten Treffen auf dem Pfingstweid-Areal, Ende September wurden von den etwas mehr als 30 Teilnehmer in einem Workshop erste Projektideen für diverse Nutzungen des Areals formuliert. Nach dem vierten Treffen, am 3. Dezember letzten Jahres, unterzeichneten schliesslich Antonella Martegani und Christian Ryffel, als Begleiter des partizipativen Prozesses, das Gründungsprotokoll und die Vereinsstatuten. Marco Engesser wurde zum Vereinspräsident gewählt. Neben Engesser wurden sechs weitere in den Vorstand gewählt, unter anderem Vesna Tomse als Aktuarin und Monika Steiner als Raumplanerin.

Erste Vorschläge für die Zwischennutzung wurden schon im Dezember gemacht. (Bild Kulturweid)

Das Gelände auf dem Pfingstweidareal gehört der Grüne Stadt Zürich, welche es dem Verein Kulturweid für einen bestimmten Zeitraum als Gebrauchsleihe zur Nutzung gibt. Das Bauunternehmen Losinger Marazzi AG, welches bis anhin das Areal als Bauplatz für das Zöllyhaus gebraucht hatte, überliess dem Verein unter anderem zwei Baucontainer, die nun als Vereinslokalitäten genutzt werden. Monika Steiner fertigte ein Modell an, auf dem die Position der Projekte ersichtlich sind, wie zum Beispiel jene des "Art Containers" von Jürg Känzig, dem ersten Projekt für das bereits die Baueingabe gemacht wurde. Bevor der Gebrauchsleihvertrag unterschrieben werden kann, muss der Verein noch viele wichtige Dinge erledigen, wie zum Beispiel eine Haftpflichtversicherung abschliessen, ein Vereinskonto einrichten, Areal-Möblierung besorgen.

Marco Engesser und Vesna Tomse freuen sich auf die kommenden Projektideen der Quartierbewohner.

"Es ist noch vieles offen", sagt Vesna Tomse: "Alles was dort entstehen wird, muss noch gebaut werden." Mittlerweile wurden vier Nutzungsarten definiert: Garten, Sport, Kultur und soziale Nutzungen sollen auf dem Areal geplant, organisiert und koordiniert werden. Dem Verein fehlt momentan jedoch noch das Geld um grossartige Träume wahr werden zu lassen, trotzdem versucht es sein Möglichstes um die grosse Fläche von 7000m2 voll auszuschöpfen. Um ein Projekt eingeben zu können, muss man allerdings zuerst Vereinsmitglied werden.

Das Pfindstweid- Areal. (Bild Kulturweid)

Anregungen wurden aber bereits eifrig gesammelt. Im Art Container sollen zum Beispiel Kunstausstellungen stattfinden, Tomse hofft auf instruktive Synergien mit der interdisziplinären Kunsthochschule ZHdK. Die Aktuarin spricht sogar von der Kulturweid als Traumfabrik oder Inkubator, welches in einem relativ offenen Rahmen Infrastrukturen für Projektideen zur Verfügung stellt. Von Open Airs, Urban Gardening, zu Koch- oder Filmabenden, Kunstvernissagen, oder Beach Volleyball Wettkämpfen, ja sogar Theateraufführungen können durchgeführt werden: In der Kulturweid ist und soll alles möglich sein.

Der Verein will die Quartierbewohner initiieren sich aktiv ins Kulturleben einzubringen. Die Kulturweid soll ein dynamischer Ort werden, ein markanter Treffpunkt, wo Menschen Kontakte knüpfen und ein Miteinander erlebbar wird. "Je mehr Bewohner sich bei uns einbringen, desto lebendiger und schöner wird das Areal werden. Unser Ziel ist es, dass die Quartierbewohner den Verein Kulturweid vermissen werden, wenn dann das Schulhaus gebaut wird." sagt Marco Engesser schmunzelnd.

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