Lindas Sexkolumne – Lustige Spiele mit Gertrud

Ja oder nein? Um was es überhaupt geht? Sex, natürlich.

Neulich spielte ich mit einer Freundin beim Kaffeetrinken vor dem Sphères ein Spiel, das wir „Kartoffeln oder Vodka“ nennen. Eigentlich kennt es jeder: Wenn eine Person des anderen Geschlechts vorbeiläuft, sagt man entweder ja oder nein, je nachdem ob man mit ihm oder ihr schlafen würde. Bei uns funktioniert es mit Knollen und Alkohol. Wenn also Quasimodo vorbei humpelt, sagen wir beispielsweise: „Heute Abend koche ich Kartoffelbrei.“ Bei Jude Law hingegen bestellen wir gleich einen doppelten Vodka an der Bar. Das Ergebnis war das gleiche deprimierende wie immer: An mir rollten nur Kartoffeln vorbei. Manchmal frage ich mich schon, wie ich überhaupt jemals zu Sex komme, so selektiv wie ich bin. Meine Freundin schaffte es nämlich auf fünf potenzielle Bumspartner und schrieb mir später vom Tram aus, dass bei ihr gerade absoluter Vodka-Alarm herrsche.

Um mich nicht ganz wie ein asexuelles Wesen zu fühlen, redete ich mir ein, dass ich den qualmenden Typen an der Haltestelle eventuell ranlassen würde, aber auch nur, wenn er zufälligerweise Franzose wäre. Wenn ich jemandem meine Nummer verrate – mit wie vielen ich bereits geschlafen habe – sind die Leute regelmässig geschockt, wie niedrig diese ist. Beachtet man aber mein mehr als wählerisches Ausleseverfahren finde ich die Menge erstaunlich hoch. Natürlich ist sie winzig im Gegensatz zu Gertruds dreistelliger Zahl. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen, als mit ihr tags darauf ebenfalls „Kartoffeln oder Vodka“ zu spielen. Aber wir denken halt automatisch ständig an das eine. „Vodka“ schrie sie beinahe bei jedem Typen laut auf und auch bei ein paar Mädels mit entweder grossem Vorbau oder Endlosbeinen. Als sie sogar bei einem bierbäuchigen Endvierziger mit Halbglatze und senilem Dauergrinsen zu meinem beinahe geflehten „Kartoffel!“ stur den Kopf schüttelte, musste ich sie mir zur Brust nehmen.

In Zürich hat man ja schnell einen Ruf weg, wenn man mit mehr als nur ein paaren in die Kiste gehüpft ist. Ich finde, grundsätzlich soll es jeder so machen, wie es ihm beliebt. Meine liebe Getrud hingegen, so fürchte ich fast, leidet an Sexsucht. Dass sie ihren schlechten Ruf in vollen Zügen geniesst, ist da nur recht. Wenn schon einen leichten Knacks innehaben, dann diesen wenigstens mit Stolz ausleben!

Das tut sie auch – manchmal nimmt sie zwei bis drei Typen pro Nacht ran. Woher sie diese Energie nimmt, ist mir ein Rätsel, denn an ihrer ungesunden, fettigen Ernährung kann es nicht liegen und ins Fitnessstudio geht sie höchstens, um Männer aufzureissen. Obwohl sie sogar lieber vor der Muckibude wartet, anstatt tatsächlich einen Fuss reinzusetzen. Ein gemütlicher Sonntagsspaziergang gleicht in ihrer Gesellschaft einer Tour durch Gertruds Vergangenheit. „In dieser Wohnung habe ich mal gefickt“, sagt sie dann beispielsweise und zeigt nonchalant auf einen grauen Betonbau. „Und am nächsten Tag gleich nebenan.“

Aber eigentlich muss man sie bewundern, die Gertrud, denn sie schert sich einen Dreck um Erwartungen und Konventionen, die eh längst in einen Züri Sack gestopft und entsorgt gehören! Wo steckt die Logik dahinter, dass rumgekommene Männer als Superman und Batman in einem gelten, lebensfrohen Frauen hingegen der Schlampen-Stempel aufgedrückt wird? Mit wem treiben es diese Helden denn, hä? Und möchte nicht jeder Mann lieber eine Frau, die weiss, wie sie ihn anfassen muss, als eine holde Jungfrau, die glaubt, ihr Part wäre getan, indem sie steif daliegt und ein wenig die Beine spreizt? Besässe ich nicht ein gewisses Mass an Stolz und Selbstwürde – und wäre ich nicht so verdammt anspruchsvoll –, ich würde es genau wie Gertrud halten!

Nun sitze ich erneut im Sphères, alleine, und schreibe diese Kolumne. Ich kann den Blick des Typen am Nebentisch auf mir spüren und als ich hochschaue, lächelt er mich an. Er sieht nicht schlecht aus, braune Haare, blaue Augen, durchschnittliche Grösse, durchschnittliches Gesicht. „Kartoffel“, denke ich – und wünsche mir, manchmal ein bisschen mehr wie Gertrud zu sein. Aber nur manchmal. Und nur ein bisschen.

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(Nicht) nur Bälle im Kopf

Mr. Tiny

  • Garfield The Cat 14.12.2012 11.52 Uhr

    Ich finde das ganz ok wie du das handhabst. Man muss nicht alles und jeden bumsen der nicht bei drei auf einem Baum ist. Lieber Qualität als Quantität.

  • Sherlock And Watson 15.12.2012 17.54 Uhr

    ich kenn das zuu gut. und das als mann... :P hammer kolumne :D lach mich öfters fast vom stuhl! :)

  • Andy Leroy 26.12.2012 01.09 Uhr

    Na ja, Sexsucht ist eine Sucht und daher auch nicht das Wahre...

    Andererseits, zum Glück wird es bei einem Mann als völlig in Ordnung angesehen, mehrere Frauen in Folge zu, äh, "erobern". Wenn es nur so einfach wäre... denn Ansprüche hat man ja auch, da geht's uns nicht anders. Immerhin hat unsereins den Vorteil, dass die Frauen in Zürich gemeinhin gepflegt herumlaufen, was bei meinen Mitmännern ja nicht mal immer der Fall sein muss. Gut so. Mehr für uns Kartoffelschnäpse..

    Übrigens: Vodka!

  • hans muster 06.1.2013 23.50 Uhr

    Leroy: der mit dem Vodka - sehr subtil :-P

    Aber das geht auch anders: Du, stell mir die Gertrud doch mal vor :-P Mit. nem Endvierziger kann ich locker allemal mithalten :-D

  • red sioux 18.8.2013 05.22 Uhr

    ... mehr gertruds braucht die welt. ich bin sicher die Welt waere um einiges freundlicher. nun, das sind natuerlich reine männergedanken ...

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