Mein Zukünftiger sollte idealerweise Franzose sein. Grieche wäre auch nicht schlecht. Zu einem Neuseeländer würde ich ebenfalls nicht nein sagen. Nur eine Nationalität sollte er auf keinen Fall besitzen: Schweizer.
Schon immer war für mich klar: Ich heirate keinen Schweizer. Meine Landsmänner haben zwar viele Vorteile: Sie passen in der Regel schon mal von der Grösse her zu mir, haben meist eine gute Ausbildung genossen, sind zwar zu Anfangs etwas reserviert, aber bei ihnen weiss man wenigstens, woran man ist, sie sind zuverlässig, höflich und begreifen, dass wir nicht nur das schönere Geschlecht sind, sondern ein mindestens gleichermassen intelligentes und fähiges. Treffen sich zwei Helvetier im Ausland, entsteht oft sehr rasch eine tiefe Freundschaft, denn gemeinsame Kultur und Verständnis verbinden. Ein Schweizer ist nicht langweilig, zwei Schweizer jedoch sehr! Deshalb brauche ich jemanden mit einer anderen Nationalität, jemanden aus der Ferne, der mir seine Lebensweise näher bringt, jemanden, der Aufregung und Würze und Verwirrung und Abenteuer verspricht.
Ich möchte mit ihm in einer Fremdsprache kommunizieren, mehr über sein Land erfahren, reisen und jeden Tag etwas Neues von ihm lernen. Ich weiss nicht, warum mich fremde Kulturen dermassen faszinieren, aber ich finde es einfach unglaublich spannend, wie in anderen Teilen dieser Welt gelebt, geliebt und gelitten wird. Ausserdem gibt es für mich kein grösseres Turn-on, als wenn ein Mann Französisch, Italienisch, oder Englisch mit einem britischen Akzent spricht. Damit wäre auch schon etabliert, von wo mein Zukünftiger idealerweise stammen sollte. Obwohl einige meiner Freundinnen da anderer Meinung sind.
„Nimm bloss keinen Italiener!“ warnte mich eine Freundin. Das seien alles Aufreisser. Ich fand das etwas unfair, betrachtete man jedoch ihre Erfahrungen mit den Südländern, konnte ich ihren Groll sehr wohl nachvollziehen. Drei Mal hatte sie etwas mit einem Italiener am Laufen gehabt, drei Mal liessen die Signori sie springen, wann immer ihnen danach war. Die Gute fuhr und flog dann jeweils runter in den Stiefelstaat, wo sie nicht nur einmal von ihren Casanovas sitzen gelassen wurde. Und warum hatte sie nach dem ersten Stronzo ihre Lektion nicht gelernt? Lag es an den herausragenden Liebhaberqualitäten? „Mit Nichten! Italiener glauben von sich selber, gottesähnliche Fähigkeiten zu besitzen, selbst wenn ihre Performance im Bett meist zu wünschen übrig lässt.“ Tja, wer glaubt, der Beste zu sein, hat keinen Grund, sich steigern zu wollen. Es sei viel mehr ihre grossmäulige, superoffene Art gewesen, welche meine Freundin angezogen hatte. „Ciao bella“ und so. Alles klar.
Ob wenigstens Franzosen zu empfehlen wären, fragte ich meine Paris Expertin. Ja und nein, meinte diese. Les Français sind zwar très joli, sehr sensibel und beinahe etwas feminin, bestechen durch einen unaufdringlichen Charme, der Frauenherzen reihenweise dahinschmelzen lässt. Aber. Aber Franzosen stehen auf Casual Sex, den Begriff „Schlampe“ existiert dort beinahe nicht. So weit so gut. Nur kann man sich fast sicher sein, dass Le Traumtyp bereits mit sämtlichen seiner weiblichen Bekannten geschlafen hat und nebenbei noch zig andere Frauen trifft. So darf man nicht überrascht sein, wenn die vermeintlich grosse Liebe sich plötzlich nicht mehr meldet, denn für ihn hat es einfach nicht dieselbe Bedeutung gehabt.
Gut, dann halt ein Engländer, Ire, oder Schotte (lieber kein Schotte, sonst habe ich ständig das Gefühl mit Hausmeister Willy von den Simpsons im Bett zu liegen). „Aber nur, wenn du eine harsche Abfuhr gut verträgst!“ ermahnte mich eine, die schon zuhauf von Briten erst umworben und ziemlich bald darauf fallen gelassen worden war. „Briten machen prinzipiell alle Frauen an, die in ihr Beuteschema passen. Stimmt dann aber auch nur eine Kleinigkeit nicht, hört man nie wieder von ihnen“, erzählte sie mir vor kurzem, als wir uns im The Gloss in zu kleine Skinny Jeans zu quetschen versuchten. „Zudem“, lästerte sie weiter, „fehlt bei ihnen das Feuer im sexuellen Bereich.“ Autsch.
Hingegen wurden mir Israelis ans Herz gelegt, da sie in der Regel ziemlich attraktiv und ausserdem „überdurchschnittlich versaut sind“ (Quote von Gertrud). Ausserdem empfahl man mir die schönen Schweden, die zwar als etwas eitel, aber auch als männlich ruhig und nordisch kühl gelten. Amerikaner habe ich als unkompliziert und offen erlebt, aber auch als sehr oberflächlich. Übrigens haben laut Prof. Dr. Google die Dudes im Kongo den grössten Schwengel, die armen Säue in Korea die kleinsten. Falls das als Kriterium gelten sollte. Wer misst das eigentlich jeweils aus? Und, noch wichtiger, kann man sich für die Stelle bewerben? „Warum denn keinen Schweizer?“ fragten meine Freunde. „Schweizer bieten Sicherheit, haben Geld und sind bodenständig.“ Kann sein, aber ich verzichte gerne auf all das, so lange ich Leidenschaft und Abenteuer kriege. Und aufregende Fremde. Wer mit mir mithalten will, soll nicht bodenständig sein. Er muss ein grosses Selbstbewusstsein haben, weltoffen und fröhlich sein, wissen was er will und einen grossen Reiz auf mich ausüben, denn sonst langweile ich mich schnell mit ihm. Meine Landesmänner haben es da von Anfang an schwer, sobald jedoch einer aus einer anderen Kultur stammt, ist der Reiz von Anfang an da und wird garantiert nie erlöschen.
Da kann er auch mit achtzig vor lauter Falten mehr dem Shar Pei der Nachbarn gleichen als dem jungen Adonis, welcher er früher mal war. Wenn er nur den Mund aufmacht und in seinem wundervollen Akzent belangloses Zeugs äussert, dann, das garantiere ich euch, falle ich über ihn her, künstliche Hüfte und Gelenkschmerzen hin oder her! Denn ist das nicht das Geheimnis des langjährigen Glücks: Die Leidenschaft nie sterben lassen? Die Leidenschaft und die Liebe natürlich. Und wie ich ihn lieben werde, meinen Franko-Italo-Spanier-Brite-Holländer-Thai-Sudanese-Argentinier-Hawaiianer! Oder anders gesagt: meinen Bürger der Welt.
Weitere Sexkolumnen: