16,3 Jahre alt soll er sein, der nationale Ersttäter in Sachen Sex. Eine hinterfragbare Zahl.
Laut einer zweifelhaften Studie ist der Durchschnittsschweizer bei seinem ersten Mal heutzutage 16,3 Jahre alt. Zweifelhaft deshalb, weil weder ich noch irgendjemand, den ich kenne – und ich kenne eine Menge Leute! –, je zu diesem Thema befragt wurde. Zudem scheint mir die Zahl recht niedrig, wenn man bedenkt, dass das Schutzalter hierzulande bei sechzehn Jahren liegt. Im Vatikan sind’s übrigens bloss zwölf Jahre, nur so als Info. 16,3 ist zwar nicht sooo jung, aber da man erst ab vierzehn zum Geschlechtsverkehr berechtigt ist (was natürlich nicht heisst, dass sich alle daran halten) und es eine Menge Spätzünder gibt, zweifle ich an der Richtigkeit dieser Zahl. Nach oben lässt sich der Wert nämlich beinahe beliebig verschieben, nach unten bleibt nur wenig Spielraum. Naja, ganz stimmt das nicht, werden einige von euch jetzt denken, denn irgendwann zwischen Pubertät und den jungen Erwachsenenjahren tut es früher oder später jeder mal. Falsch. Es gibt Leute, die sogar die Uni ungefickt verlassen. Und ich spreche nicht nur von den Theologiestudenten mit Priesterabsichten.
Kürzlich lernte ich nämlich eine kennen, die ihr erstes Mal erst mit vierundzwanzig erlebte. Ich bin total dafür, dass man sich selber keinen Druck macht und wartet, bis man bereit für Sex ist. Aber hatte das bei ihr wirklich vierundzwanzig Jahre gedauert? Anscheinend ja. Denn zuvor hatte es sie einfach nie gereizt. Sie hatte sich immer für asexuell gehalten, bis sie sich eines Tages einen Ruck gegeben und es ausprobiert hatte. Da hatte sie erkannt, dass Sex seinen guten Ruf nicht ganz zu Unrecht weghatte. Nun ist sie fleissig am Aufholen und ärgert sich über die verschwendeten Jahre.
Es gibt aber noch viel krassere Beispiele. Eine andere Bekannte gehört mit ihren achtundzwanzig Jahren immer noch zum Kreis der Jungfrauen. Dabei ist sie weder asexuell, noch potthässlich, noch prüde – im Gegenteil! Sie schaut gerne Pornos und befriedigt sich regelmässig selbst. Nur am Geschlechtsakt mit einer anderen Person zeigt sie so gar kein Interesse. Warum? Sie warte auf den Richtigen. Das ist sicherlich löblich und im Zeitalter von Gruppendruck auch irgendwie süss. Aber wie lange will sie denn noch warten?! Sex mit dem Falschen kann doch auch ganz gut sein.
Jedenfalls bräuchte es, um die durchschnittlichen 16,3 Jahre beizubehalten, zu der achtundzwanzigjährigen Unberührten ein Gegenstück, das höchstens im zarten Alter von 4,6 seine Unschuld verlor. Eine eher unrealistische Vorstellung. Das zeigt, dass besagter Wert entweder erfunden wurde, zu wenige Leute interviewt wurden, oder aber die Befragten gelogen haben. Wahrscheinlich eine Mischung aus den letzten beiden. Doch ob nun mit zwölf oder zweiundvierzig – beim ersten Mal sollte man sich in erster Linie bereit dazu fühlen und sich von nichts und niemandem drängen lassen. Auch nicht von sogenannten „Durchschnittswerten“. Überhaupt: Take it easy kids, das Alter ist doch nur eine Zahl!
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