Es gibt Typen, die braucht die Welt nicht; Arschlöcher zum Beispiel. Trotzdem sind sie überall – auch im Bett meiner Freundin.
„Was für ein verdammtes Arschloch!“ Mehr fiel mir erst mal nicht ein zu der Geschichte, welche mir eine Freundin bei unserem Kaffeeklatsch im Café Noir servierte. Damit ihr meinen uncharmanten Ausbruch nachvollziehen könnt, hier die Story: Vor gut zwei Jahren traf sie durch Bekannte einen alten Schulkollegen wieder, welcher sich in der Zwischenzeit quasi vom blass-streberhaften Peter Parker zum muskelbepackten Superhelden verwandelt hatte. Sie war sofort von ihm angetan, er jedoch behandelte sie wie Dreck. Umso erstaunter war sie, einige Tage später einen Anruf von ihm zu erhalten. An sein rüpelhaftes Benehmen konnte er sich da beim besten Willen nicht mehr erinnern und auch sie überlegte, ob sie ihm vielleicht Unrecht getan hatte, da er beim Telefongespräch die Liebenswürdigkeit in Person war.
Bei den Treffen, die darauf folgten, war jedenfalls keine Spur von Unfreundlichkeit mehr zu erkennen, im Gegenteil! Das erste Date verlief so toll, dass sie sich erst nach sechzehn Stunden voneinander trennen konnten. Bei jedem Wiedersehen schlug ihr Herz stärker. „Das ist er, der Richtige!“ war sie überzeugt. Anders als bei anderen Typen zuvor hatte sie nicht das Gefühl, ihm hinterher rennen zu müssen, da er es meistens war, welcher sich zuerst meldete. Kein Wunder also, dass sie dachte, nicht nur in ihrem Bauch feierten süsse, kleine Schmetterlinge eine Fiesta. Doch dann, eines Abends beim gemütlichen DVD-Schauen, meinte er einfach so nebenbei: „Du, ich glaube das wird nix mit uns!“
Boom! Das sass! Meine Freundin tat das einzig Richtige und schmiss den Scheisskerl hochkarätig raus. Nach zwei Packungen Häagen Dazs, einer halben Box Kleenex und dreieinhalb Stunden „Vom Winde Verweht“ hatte sie ihm genug Tränen nachgeweint und ihn abgeschrieben. Für gut zwei Monate zumindest. Denn plötzlich meldete er sich wieder. Er vermisse sie. Manche Menschen – meine Freundin gehört leider auch dazu – erkennen ein Schwein selbst dann nicht, wenn es laut grunzend und quiekend vor ihnen steht. So empfing sie ihn mit offenen Armen zurück in ihrem Leben, wenn auch ihre Beziehung nur noch auf Freundschaft basierte. Aber ein Arschloch erster Güte schert sich wenig um Freundschaften. Einmal, als sie nach einem langen Abend unter Freunden zur späten Stunde noch im Hive landeten – nur er und sie –, sah er zu, dass sie einen Mojito nach dem anderen leerte und setzte Shotgläser im Minutentakt vor ihr ab.
Als sie nur noch verzehrte Umrisse wahrnahm, fand er, sie nun genug abgefüllt zu haben und ging zu Schritt zwei seines ausgefuchsten Arschloch-Plans über: Er küsste sie. Wahrscheinlich hätte er sie dafür nicht einmal betrunken machen müssen, da sie jeder inneren Vernunft zu trotz immer noch romantische Gefühle für ihn hegte, aber ein echtes Profi-Arschloch doppelt zur Sicherheit lieber nach. Nun endete diese Episode natürlich, wie die meisten dieser betrunken Club-Geschichten, im Bett. Am nächsten Morgen konnte sie ihr Glück kaum fassen, besonders, da er sie nicht, wie ich und die Mehrheit der Leser es erwartet hätten, drängte, ihren Kram zusammen zu suchen und einen schnellen Abflug zu machen. Nein, kuscheln wollte er, und reden und schmusen und küssen und das ganze Loving-Boyfriend-Programm. Selig ging sie einige Stunden später nach Hause. Ihr einziger Wunsch: Dass er ihr eine SMS schrieb. Eine einzige, kurze Textnachricht und sie hätte Sicherheit gehabt, dass er es ernst mit ihr meinte. Am Sonntagabend piepste ihr Handy. Eine Nachricht von ihm! Doch als sie diese las, wich ihr vor Enttäuschung die gesamte Farbe aus dem Gesicht. „Nur so als Info, letzte Nacht ist das Kondom geplatzt.“
Das war das letzte, was sie je wieder von ihm hörte. Glücklicherweise zeigte der Schwangerschaftstest ein negatives Ergebnis an. So bleibt der Welt ein potenzielles Mini-Arschloch erspart. Die Gefühlsbilanz meiner Freundin war verständlicherweise ebenfalls negativ. „Immerhin habe ich dadurch meine Lektion gelernt! Nie wieder falle ich auf ein Arschloch rein!“ Hoffen wir’s! Denn die Geschichten, die ich so zu hören kriege, sind irgendwie immer die gleichen. Dabei wäre den naiven Mädels da draussen allen ein anständiger, aufrichtiger Mann zu gönnen. „Aber die sehen halt nicht so gut aus…“ wendete meine Freundin ein. Tja.
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