Kunstwerkstatt in Zürich-West

Ab Herbst 2013 wird die «Zürcher Hochschule der Künste» (ZHdK) ihren Betrieb im umgebauten Toni-Areal in Zürich-West aufnehmen. Bis es soweit ist, muss natürlich der Umzug geplant werden. Ein hochkomplexer Prozess, wie Heike Pohl, Kommunikationsleiterin der ZHdK, erklärt.

Michel Imhof: Welchen Bezug haben Sie zu Zürich-West?

Heike Pohl: Vor allem durch meine Arbeit an der «Zürcher Hochschule der Künste» kam ich in den letzten Jahren öfter in Kontakt mit Zürich-West. So wurden zum Beispiel die Diplomausstellung und das Festival der Künste schon 2006 im Toni-Areal durchgeführt und die Studienrichtungen Fine Arts und Komposition sind an der Förrlibuckstrasse in Zürich-West beheimatet.

Was verbindet die ZHdK mit Zürich-West?

Die ganze ZHdK wird im Sommer 2013 ins Toni-Areal ziehen. Dies wird dann der neue Standort der Hochschule sein, wo alle Studienrichtungen – Design, Film, Kunst, Musik, Tanz, Theater und Kunstvermittlung – ihren Sitz haben werden.

Warum zieht die ZHdK ins Toni-Areal um?

Das hat mit dem Zusammenschluss der «Hochschule Musik und Theater Zürich» und der «Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich» zu tun. Die Grundidee dieser Fusion war, dass alles an einem Standort zusammengefasst wird. So haben die Studierenden einen besseren Austausch untereinander und bekommen Einblicke in ganz andere Welten. Heute befindet sich die ZHdK an 35 Standorten, so ist alles sehr zerstreut.

Wie bereitet sich die ZHdK auf den Umzug vor? Wie und wann wird gezügelt? Wo sind die Schwierigkeiten?

Planmässig soll im Sommer 2013 gezügelt werden. Vorbereitet wird der Umzug durch ein deutsches Logistikunternehmen, welches momentan das Inventar aufnimmt. Es ist ein sehr komplexer Vorgang: Die Möbel werden alle genauestens vermessen, angeschrieben und in eine Datenbank aufgenommen. Im Sommer 2013, also während dem Umzug, wird der Terminplan für die Lastwagenfahrten minutengenau geplant sein müssen. Welches Möbel wann transportiert wird – alles gesetzt. Circa 800 Camionfahrten werden nötig sein um das gesamte Mobiliar zu transportieren. Nicht zu vergessen ist natürlich, dass unsere Güter sehr vielfältig sind. Das Spektrum reicht von Instrumenten über Werkbänke bis zu Kunstwerken. Hier ist Geschick gefragt.

Welche Neuigkeiten bietet das Toni-Areal der ZHdK?

Die grösste Neuigkeit ist wohl die Tatsache, dass wir alle an einem Ort und in neuen Räumlichkeiten sein werden. Zu den Neuerungen gehören ein Kino, ein grosser und mehrere kleine Konzertsäle und Ausstellungsräume. Auch der Musikklub Mehrspur - heute beim Bellevue - wird den Weg ins Toni-Areal finden. Sehr spannend ist auch die Architektur: Es wird auf dem Dach eine Grünfläche geben, wo die Studierenden zum Beispiel die Mittagspause verbringen können. Das Toni-Areal hat etwa das Volumen der «Tate Gallery of Modern Art» in London, so finden alle ihren Platz.

Neu werden sich alle Departemente der ZHdK in einem Gebäude befinden. Was bringt das der Hochschule?

Es bringt eine hohe Dichte an künstlerischem und gestalterischem Potenzial, kurze Wege und dadurch ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Durch die momentane räumliche Trennung der Departemente kommen beispielsweise Designstudierende sehr selten in Kontakt mit Musikstudierenden. Wir stellen uns vor, dass das Toni-Areal den Austausch unter den Studierenden und unter den Dozierenden belebt und dass sich dadurch völlig neue Projekte entwickeln. Das wird ein neues Hochschul-Gefühl.

Was passiert mit den alten ZHdK-Gebäuden?

Unsere Liegenschaften gehören zum grossen Teil dem Kanton Zürich. Sie werden weitervermietet und zu anderen Zwecken gebraucht. Das Schulhaus an der Ausstellungsstrasse wird beispielsweise von der Berufsschule gemietet. Die Theaterbühne an der Gessnerallee und das Museum für Gestaltung bleiben an ihrem Standort.

Auch die ZHAW wird mit zwei Departementen im Toni-Areal vertreten sein. Wie wird sich das Zusammenleben der beiden Hochschulen gestalten?

Die beiden Hochschulen arbeiten bereits seit längerer Zeit gemeinsam am Projekt Toni-Areal. Grundsätzlich kann man sagen, dass die «Zürcher Hochschule der Künste» und die «Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften» einen unterschiedlichen Stil haben, was nicht verwundert, denn eine Kunsthochschule vermittelt andere Inhalte in anderen Lehrformaten als dies eine Ausbildungsstätte für Psychologinnen oder Sozialarbeiter tut. Das Toni-Areal wird von aussen wohl mehr mit der ZHdK in Verbindung gebracht werden, da 94% der Schulfläche von der ZHdK gemietet wird und die restlichen 6% für die ZHAW vorgesehen sind. Mensa, Bistro, Cafeteria und Bibliothek werden durch beide Schulen genutzt und bieten so gute Gelegenheiten, miteinander in Kontakt zu kommen.

Wie gehen die Umbauarbeiten voran?

Es verläuft alles plangemäss. Durch den Konflikt mit dem Club «Rohstofflager» hat sich das Projekt zwar verzögert, aber im neuen Zeitplan läuft alles gut.

Was entstehen für Vorteile für die Studierenden der ZHdK?

Der Austausch unter den verschiedenen künstlerischen und gestalterischen Disziplinen wird sich verbessern. Da alle am selben Standort sind, lernt man sich auch leichter kennen. An der ZHdK läuft ein Projekt, welches sich der Vereinfachung des informellen Austausches unter den Studierenden widmet. Und natürlich haben die neuen Räumlichkeiten eine Infrastruktur, die auf dem aktuellsten Stand ist – wie Tonstudios oder Filmschnittplätze.

Ist der längere Anreiseweg nicht ein Nachteil?

Mit dem Tram Züri-West ist das Toni-Areal mit der eigenen Haltestelle bereits gut ans Tramnetz angeschlossen. Kommt man zum Beispiel aus dem Limmattal, kann man direkt beim Bahnhof Altstetten ins Tram 4 umsteigen und ist in 5 Minuten in der Hochschule. Vom Hauptbahnhof sind es 10 Minuten. Es kommt also darauf an, woher man anreist. Zürich West ist ja nicht (mehr) die Peripherie von Zürich.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die neuen Räumlichkeiten

denken?

Ich freue mich auf die Architektur: Die Kaskadentreppe, welche die Etagen miteinander verbindet, die Dachterrasse und natürlich die Rampe, die zu einer Art Kulturboulevard werden soll. Vieles wird erst nach dem Umzug entstehen. Und ich bin gespannt auf die Neuenergie, die der Ort mit sich bringen wird. Besonders freue ich mich auf unsere neuen Nachbarinnen und Nachbarn im Haus und im Quartier Zürich-West.

Was ist Ihr persönlicher Zürich-West-Hotspot?

Ich liebe die Passerelle Gleisbogen über der Pfingstweidstrasse. Wenn man sich darauf befindet, sieht man viel von Zürich West und was gerade entsteht. Zürich wirkt dort sehr grosszügig und offen.

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