Heute Nacht soll`s geschehen...

Vor einem Monat waren alle Feuer und Flamme für den 20. April 2012. Heute weiss kaum noch einer, aus welchem Land Kony kommt, und Filmemacher Jason Russel sitzt wegen psychischen Problemen in der Klinik. Wird heute Nacht trotzdem etwas passieren? Wird Zürich-West nach dem Motto "cover the night" mit Konys Gesicht zugepflastert werden?

AUFRUF: Wenn du ein Kony-Porträt in Zürich-West siehst, dann schiess ein Bild davon und maile es an: redaktion@westnetz.ch. Wir werden eine Galerie der besten Bilder erstellen - sofern ordentlich etwas zusammenkommt!

Darum geht es: Anfang März überflutete das Video „KONY 2012“ unsere Social Media-Kanäle. Aus aller Welt posteten meine Freunde auf Facebook das Video – und jetzt? Es sollte die Erfolgsgeschichte des Jahres 2012 werden. Mit den vielversprechenden Worten „Nothing is more powerful than an idea“ startet das 28-minütige Video von Filmemacher Jason Russel und Laren Poole.

Kurzfassung

Wer das Video (noch) nicht gesehen hat, muss folgendes wissen: das Video wurde von einer NGO-Organisation, die Invisible Children heisst, im Internet veröffentlicht. Dahinter stehen Filmemacher Jason Russel und Laren Poole. Dramaturgisch ist das Video perfekt inszeniert. Jason Russel nimmt dazu seinen Sohn, dem er eine bessere Welt ermöglichen will. Erzählt wird als Binnengeschichte von Jacob, einem Jungen aus Norduganda, der auf der Flucht von Kony war. Kony zählt zu den schlimmsten Kriegsverbrecher Afrikas und nennt sich selber General Gottes. 2005 hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. Aber noch immer ist er auf freiem Fuss. Kaum jemand weiss, wer Kony ist – und genau das wollten die Filmemacher ändern: MAKE KONY FAMOUS! Ihre Idee ist, Kony berühmt zu machen und dafür zu sorgen, dass jeder weiss, wer Kony ist. Auf der Homepage konnte man Pakete mit Plakaten, Stickern, Pins etc. bestellen. Für 30$ war man dabei. Da kam dann auch schon die Kritik: Geht es ums Helfen oder ums Geldmachen? Ein Facebookfreund von mir hat das damals treffend formuliert: "Sex sells, but Kony sells better."

Heute, am 20 April 2012, sollen weltweit Plakate, Poster, Sticker u.ä aufgehängt werden ("cover the night"), um Kony berühmt zu machen. Auch für die Schweiz und für Zürich gibt es eine eigene Facebookgruppe, die dazu aufruft, heute Nacht Poster und Co. aufzuhängen. Wir werden sehen, ob auch in Zürich-West plötzlich überall Kony zu sehen ist...

facebook: KONY in der Schweiz und Zürich

Das Video hat unglaubliche Wellen geschlagen und Filmemacher Jason Russel kam wahrscheinlich vor allem mit der harschen Kritik nicht ganz klar und musste wegen psychischen Problemen in eine Klinik eingeliefert werden. Die Idee war da und nutzte die Kanäle der heutigen Zeit: Social Media. Doch einmal mehr sehen wir, wie schnell ein Hype im Internet wieder in Vergessenheit gerät.

Viral-Kampagne der Extraklasse

Ich erinnere mich noch gut an den Tag anfangs März, als ich auf facebook nur noch einen Begriff lesen konnte: „Kony“. Kony war in aller Munde, und ich war überrascht, wie schnell dieses Video seinen Weg rund um den Globus gefunden hatte. Als erste posteten meine amerikanischen Freunde das Video, dann die Kanadier, dann die Schweizer, aber auch Freunde aus Indonesien und Malaysia teilten das Video und rufen zum Kampf gegen Kony auf! Das Google-Trend Diagramm zeigt aber, wie schnell die Euphorie wieder von Dannen zog.

Diagramm von Google-Trends

Heute Nacht

Der heutige Tag, der 20. April 2012, sollte in die Geschichte eingehen. Ich habe seit mehreren Wochen nichts mehr gehört oder gelesen (abgesehen davon, dass Jason Russel in klinischer Behandlung ist) und weiss nicht, ob überhaupt noch jemand an Kony denkt.

Diesen Pin (Titelbild) habe ich aber neulich in meiner Jackentasche gefunden. Jemand muss ihn mir zugesteckt haben. Es gibt also auch hierzulande Aktivisten, die das Paket bestellt haben und theoretisch ausgerüstet wären, die Stadt Zürich mit Kony-Postern zuzukleistern. Ich bin gespannt, was heute Nacht in Zürich-West geschehen wird.

Weiterlesen

Vor einem Monat kursierten Dutzende Videos, Artikel und Beiträge zu Kony 2012 im Internet. Nicht alle Stimmen waren positiv und es wurde auch viel kritisiert. Am eindrücklichsten fand ich die Kritik der lokalen Bevölkerung. Wer sich noch informieren will, hier einige spannende Links:

+ Kony 2012: what's the real story? (the Guardian)

+ Kony 2012 campaign: Oprah and bracelets won't solve problem (the Guardian)

+ Virale Kampagne Kony 2012 jagt den Falschen (Zeit)

+ Ugandan Journalist, Rosabell Kagumir Tells CNN Kony 2012 Gives You A False Image (CNN)

+ Mitinitiator der „Kony 2012“-Kampagne im Krankenhaus (FAZ)

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