Harte Kost

Am Mittwoch feierte der Dokumentarfilm "Forbidden Voices" der Regiesseurin Barbara Miller im Kino Riff Raff Premiere.

Als ich so gegen 20 Uhr mit dem Fahrrad beim Riffraff angekommen bin, war der Bürgersteig vor dem Kino bereits voll mit adrett gekleideten Leuten.

Die Stimmung war ausgelassen und passte so gar nicht zu dem Thema des Dokumentarfilmes, weswegen alle gekommen sind.

"Forbidden Voices" handelt nämlich von drei jungen Frauen, aus Kuba, China und dem Iran, die durch Kritik an ihren Regierungen zur Zielscheibe deren Geheimpolizeien wurden.

Die drei Frauen haben gemeinsam, dass sie ihre Kritik alle in Blogs im Internet äussern. Dies ist oftmals der einzige Weg, der Zensur des Staates zu entgehen.

Die Protagonistinnen des Filmes zahlen für ihren Mut einen hohen Preis.

Der Kubanerin Yoani Sánchez wird die Ausreise aus ihrem Land verwehrt. Zudem wurde sie von Polizisten in zivil brutal zusammengeschlagen und als sie gegen diese Anzeige erstatten will, rühren die Beamten keinen Finger.

Zeng Jinyan aus China wird Jahre lang unter Hausarrest gestellt, während ihr Mann, ebenfalls Regimekritiker, für mehr als drei Jahre ins Gefängnis kommt.

Die Iranerin Farnaz Seifi, die übrigens als einzige an die Premiere kommen konnte, da die beiden anderen keine Ausreiseerlaubnis von ihren Ländern gekriegt haben, musste nach diversen Festnahmen und Verhören ins Exil gehen, um ihr Leben zu schützen. Sie lebt nun in Bonn und verfasst weiterhin ihre Blogs.

Anhand dieses schweren Themas verwunderte es mich nicht, dass die Stimmung eher gedrückt war, als der Film vorbei war. Das Publikum drängte hinaus an die frische Luft und viele Zigaretten wurden angesteckt. Vielleicht hatte dies auch mehr mit der Länge des Filmes zu tun. Meiner Meinung nach ist dies einer der wenigen Schwachpunkte. Ansonsten fand ich ihn sehr spannend und kann ihn nur weiterempfehlen. Ich finde es wichtig, dass man sich mit Themen wie Menschenrechtsverletzungen, Diktatur und unmenschlichen Lebensbedingungen auseinandersetzt, damit man wieder einmal daran erinnert wird, was für ein privilegiertes Leben wir in der Schweiz führen.

Solche Äusserungen waren auch nach dem Film zu hören. Man sah den Premierengästen an, dass sie ein wenig erschlagen vom Film waren. Dies war vielleicht auch ein Grund, dass die anschliessende Premieren Party im Gonzo ziemlich ruhig, um nicht zu sagen langweilig war.

Trotz allem war es für mich ein gelungener Abend und ich hoffe, dass ich einige Leser dazu anregen kann den gang ins Riff Raff zu wagen um sich "Forbidden Voices" anzuschauen.

Kinostart ist am 10. Mai 2012.

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