Lindas Sexkolumne - Hard Stop

Was bitte schön soll man unter einem „Kunstporno“ verstehen? Wir haben’s uns angeschaut und finden: Kunst ja, Porno eher weniger.

„Man könnte den Film quasi als Kunstporno bezeichnen“, wurde mir über das Schweizer Projekt „Hard Stop“ gesagt. Soso, ich sollte mir also einen Porno reinziehen. Dabei mag ich Schmuddelfilmchen im Allgemeinen nicht so. Lieber selber machen, statt nur zugucken, lautet meine Devise. Ausserdem ist mir bei Pornos die „Handlung“ – wenn was da stattfindet überhaupt so genannt werden darf – meist zu plump und die Darsteller zu unästhetisch. Aber was tut man nicht alles für den Job! Damit ich nicht alleine mit stundenlangem Gestöhne und ausgefuchsten Rammeltechniken konfrontiert wurde, schnappte ich mir die DVD und stattete einer Freundin in ihrer Wohnung an der Josefstrasse einen Besuch ab.

Zu zweit hockten wir auf dem Sofa im abgedunkelten Wohnzimmer und warteten gespannt, als die Titelmusik anfing. Und warteten weiter gespannt, als die Protagonistin in unserem geliebten Zürich umherlief und fremde Leute sowie sich selber mit dem Handy filmte. Und warteten weiter gespannt, als der männliche Hauptcharakter erschien und eine Zigarette nach der anderen anzündete und unter wüstem Gefluche wieder ausmachte. Und warteten weiter gespannt, als Protagonistin Rhea (die mit dem Handy) Dante (der Raucher) in seine Wohnung folgte und ihm ein eindeutiges Angebot machte. Für einen klassischen Unterleibskrimi war das eindeutig zu viel Gerede und eine zu lange Vorgeschichte. Dann endlich, Rhea suchte ihn erneut in der Wohnung auf, es wurde gebumst.

Doch sogar der Akt an sich hatte wenig Pornohaftes an sich. Obwohl man zumindest von ihr alles sah. Es folgten viele weitere Sexszenen, die meisten davon leicht verstörend, besonders diejenige, in der sie gemeinsam ihre Vergewaltigungsfantasien auslebten. Erotisch oder anturnend war dies keines Falles, zumal Waschlappen-Dante sowieso jedes Mal spätestens nach 20 Sekunden kam. Ausserdem waren die beiden still wie die Mäuschen, es wurde höchstens ab und zu ein bisschen gekeucht. Kurz gesagt: Ich hatte Schlimmeres erwartet – rein von den Sexszenen her. Die Story an sich war nämlich um einiges perverser als Dante und Rheas Schäferstündchen.

Weil der ein oder andere sich den Film vielleicht noch anschauen möchte, will ich nicht zu viel vornweg nehmen. Nur so viel sei gesagt: Sämtliche Charaktere jagen einem einen gewaltigen Schauer über den Rücken. Wir wurden einfach nicht schlau aus ihnen, ihren widersprüchlichen Handlungen und Gefühlen. Am meisten nervte uns Frühkommer Dante, der es während dem gesamten Film verpasste, seinen Mann zu stehen und ausserdem schlimmer klammerte als jeder Affe. Zudem, so bemerkte meine Freundin ganz richtig, streckte er statt eines knackigen Pos einen Entenarsch in die Kamera. Prädikat: Unsexy.

„Hard Stop“ ist für mich weniger Porno als eher ein Einblick in (mindestens) drei äusserst gestörte Psychen. Wer sich für Menschen und ihre komplexen Denk- und Handelsweisen interessiert, sollte sich den Streifen auf jeden Fall ansehen. Wer lieber einen waschechten Fickfilm geniessen möchte, dem empfehle ich http://www.youporn.com/.

„Hard Stop“ von Sascha Weibel läuft zurzeit im Kino Arena Sihlcity.

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Mr. Tiny

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