Einen Nulltarif gibt es nicht

Bald überflüssig? Der ZVV-Billettautomat am Limmatplatz

Westnetz-Kollege Michel Imhof hat in einem Blogeintrag eine Debatte über einen «kostenlosen öffentlichen Verkehr» angeregt. Nun, einen solchen gibt es natürlich nicht. Wäre die Benutzung von Tram, Bus und S-Bahn im Kanton Zürich gratis, so stiegen die Kosten des ÖV für die Allgemeinheit enorm. Rund 47 Prozent seiner Einnahmen generiert der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV), der auch die VBZ finanziert, durch den Verkauf von Abos und Billetten (2010). Die Zürcher Gemeinden sowie der Kanton Zürich subventionierten den Betrieb des ZVV mit 360 Millionen Franken, macht pro Einwohner des Kantons 260 Franken – also das Vielfache des Betrages, der offenbar der ÖV in der belgischen Stadt Hasselt kostet.

Wäre die Fahrt mit Tram, Bus und S-Bahn gratis, liessen sich gewisse Kosten einsparen: Die Löhne für 140 Kontrolleure und für das Personal in den neun Ticketerien, welche die VBZ betreiben. Es bräuchte keinen der 1100 ZVV-Ticketautomaten mehr, die gerade für 63 Millionen Franken neu umgebaut worden sind. Es liessen sich somit (Abschreibung der Automaten auf zehn Jahre) um die 20 Millionen Franken jährlich einsparen. Das ist nichts im Vergleich mit den 424 Millionen, die der ZVV 2010 für den Verkauf von Abos und Billetten einnahm. Und die Idee, die Parkgebühren dem ÖV zugute kommen lassen? Die Stadt Zürich hat 2011 rund 30 Millionen Franken aus Parkuhren und aus dem Verkauf von Dauerkarten für die Blaue Zone eingenommen. Aber diese Einnahmen sind ja laut Stadt (siehe Begründung für die Erhöhung der Parkkarten-Gebühren) nicht einmal kostendeckend. Unter dem Strich würde das Gratisfahren also rund 400 Millionen Franken Mehrkosten für die Allgemeinheit bedeuten; das Defizit stiege auf 550 Franken pro Kantonseinwohner.

Da ist der Mehrverkehr, den das Gratisfahren zweifellos bewirken würde, noch nicht mit ein berechnet. Womit wir zur Grundsatzfrage kommen: Muss der ÖV durch besonders, ja absolut günstige Fahrpreise gefördert werden? Wie ist das schon wieder mit den Klagen über fehlende Sitzplätze und überhaupt Plätze zu den Stosszeiten? Der ÖV ist ohnehin extrem attraktiv: Das zeigt der eben veröffentlichte Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010. Und: Zwischen 2003 und 2010 haben sich die Frequenzen des ZVV um 30 Prozent erhöht.

www.michaelluetscher.ch/verkehrte-welt/

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