Eine Familie. Zwei Frauen. Viele Geheimnisse.

Umut Dag beschäftigt sich in Kuma mit den Themen Zwangsheirat und Patriarchat und schafft es dabei zu berühren.

Text von Charlotte Foxall

KUMA, das türkische Wort für Zweitfrau, ist Thema und Titel des ersten abendfüllenden Spielfilms von Umut Dag. Erzählt wird die Geschichte zweier unglaublich starker, aber von Traditionen zurückgehaltener Frauen: Von Fatma (Nihal Koldas), einer Mutter, die mit sechs Kindern und ihrem Mann zusammen in Wien lebt. Sie ist Familienmanagerin, bringt ihren Töchtern bei wie man in dem türkischen Laden um die Ecke einzukaufen hat und wie man dem Mann eine gute Frau ist. Sie ist fester Bestandteil der türkischen Gemeinschaft und tief verwurzelt in dem anatolischen Wertesystem. Die zweite Frau ist die neunzehnjährige Ayse (Begüm Akkaya), die in Fatmas Familie hinein heiratet und dafür aus ihrem Dorf in der Türkei nach Österreich geholt wird.

Der Film beginnt mit der Hochzeit. Die Braut weint und derer Familie ist traurig über den Abschied, doch hofft, dass Ayse in Österreich ein besseres Leben geboten wird. Verschüchtert und von den Kindern Fatmas nicht akzeptiert, bezieht sie ihr Zimmer in der Wiener Wohnung. Die Hochzeitsnacht steht bevor. Die Familie sieht zu, wie Ayse ängstlich zum Bett hinüberschaut. Fatma spricht ihr Mut zu, dann verlassen alle den Raum, auch der älteste Sohn, von dem man bis jetzt geglaubt hat, dass er der Ehemann sei. Zurück bleibt nur der Vater.

Fatma hat Krebs und darum beschlossen, für ihre Familie einen Ersatz zu suchen, eine Zweitfrau. Dies ist das erste von vielen Geheimnissen, die die Familie zu tragen hat. Der Film zeigt mit sehr klaren und schönen Bildern die rohe Realität von Unausgesprochenem, Verdrängtem und nicht Akzeptiertem. Die Geschichte thematisiert den Konflikt von Traditionen und Herkunft mit der veränderten Alltagssituation. Aber auch die Spannung, die entsteht, wenn Generationen nicht mehr wissen, wie sie miteinander kommunizieren können. Es geht um Frauen, die Mütter, Töchter und Liebhaberinnen gleichzeitig sein müssen.

Wenn Ansehen und Ruf diktieren, wie man zu leben hat und die Gefühle unter Verschluss gehalten werden müssen, dann kommt es irgendwann zur Explosion. Dem Kinozuschauer wird genau dies geboten. Ein Ausbruch von Gefühlen, mit dem so manche überfordert sein werden.

Für Umut Dag, Österreicher und Sohn einer kurdischen Einwandererfamilie, ist es der erste Spielfilm, nach mehreren preisgekrönten Kurz- und Dokumentarfilmen.

Bildquelle: Xenixfilms

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