Die Schönheitskönigin

In ihrem Beauty Parlour verschönert sie Menschen. Und umgekehrt, so sagt sie, verschönere der Beauty Parlour ihr Leben.

Armbänder und –reifen in allen Farben, Goldschmuck, Haartönungen, Nagellacke, Lipglosse, Pfauenfedern, Blumen, farbenprächtige, goldbestickte Kleider und etwas namens Thai Rose White Complex Cream – eine Aufhellungscreme – reihen sich aneinander. Das Innere des Beauty Parlours Sajeeka ist so bunt wie die Kostüme eines Bollywoodfilmes. Etwas ausser Atem trifft die Besitzerin Suganthini Navaruban im Laden ein, unter dem Arm ein dickes Stoffbündel. Sie hätte bereits vor einer Stunde hier sein sollen, jedoch musste sie eine Lieferung in Basel abholen und stand danach im Stau. Ohne eine Sekunde zu verlieren, fragt sie ihre Mitarbeiterinnen, was während ihrer Abwesenheit los war, gibt Anweisungen und räumt Sachen ein. Erst als alles erledigt ist, setzt sie sich hin und trinkt einen Schluck Wasser.

Suganthini macht keine halben Sachen; sie ist eine waschechte Business Lady. Man könnte denken, dass sie den Schönheitssalon schon seit Jahren führt. Doch als sie 1994 mit gerade mal achtzehn Jahren aus Sri Lanka in die Schweiz kam, arbeitete sie zuerst für lange Zeit als Pflegerin in einem Altersheim. Erst nach zwei Jahren Ausbildung zur Kosmetikfachfrau in Indien, Sri Lanka und der Schweiz erfüllte sie sich im Sommer 2010 den Traum vom eigenen Kosmetikgeschäft. Wenn sie von ihrem Laden erzählt, leuchten ihre warmen, braunen Augen. Die Tätigkeit als Kosmetikerin bereitet ihr grossen Spass, besonders weil sie dabei mit den verschiedensten Leuten in Kontakt kommt. Überhaupt ist sie sehr zufrieden mit ihrem Leben in der Schweiz. Aus politischen Gründen musste sie damals fliehen. Zurück nach Sri Lanka geht sie nicht mehr oft, denn ihre Heimat ist jetzt die Schweiz. Hier lebt sie mit ihrem Mann, hier sind ihre Kinder geboren, hier steht ihr Geschäft. Ihr Mann stammt ursprünglich ebenfalls aus Sri Lanka. Kennengelernt haben sie sich übers Telefon, nachdem er bei ihrem Bruder – er lebte bereits vor Suganthini in der Schweiz – ein Foto von ihr gesehen hatte und unbedingt mehr über sie erfahren wollte.

Immer wieder betreten Kunden den Laden. Suganthini springt sofort auf und kümmert sich um sie. Neben Manicure, Pedicure, Haarschnitt und Färben werden auch Waxing, professionelles Makeup und Massagen angeboten. Die meistgewünschte Behandlung ist jedoch das Formen der Augenbrauen mit Faden. Was für europäische Ohren seltsam klingt, ist in Asien eine weitverbreitete Technik. Suganthini schnellt sofort hoch, um es zu demonstrieren. Dabei hält sie ein Stück Faden zu einem Dreieck mit ihren Händen und ihrem Mund. Mit einer gekonnten Bewegung zieht sie den Faden so zusammen, dass er unschöne Brauenhärchen ausreisst. Bis 20 Uhr kann man unter der Woche Termine wahrnehmen, Suganthini arbeitet oft noch länger. Wenn sie Zeit hat, besucht die Hinduistin jeweils dienstags und freitags den Tempel. Zuhause gibt es manchmal Gerichte aus der alten Heimat wie Curry oder Roti, aber auch Schweizer Küche. Doch wie viele ihrer Mitbürger mag Suganthini am liebsten Spaghetti. „Das italienische Essen hat es mir angetan“, sagt sie mit einem Lächeln.

Deutsch hat sie damals in der Migros Clubschule gelernt. Keine einfache Sprache, wie sie weiss, aber eine Powerfrau wie sie meisterte auch diese Hürde. Seitdem lebt es sich wesentlich einfacher hier; anfängliche, kulturelle Schwierigkeiten haben sich aufgelöst, genau wie so manche Missverständnisse. Der Name ihres Beauty Parlours ist übrigens ihrer Tochter Sajeeka gewidmet. Ob diese später das Geschäft übernehmen wird? „Nein“, lacht Suganthini. „Sie möchte lieber Rechtsanwältin werden.“

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