Designerlümpem zu vernünftigen Preisen

Die deutsche Designlinie Clemens en August gastiert jeweils nur kurz in einer Stadt. Jetzt gerade im Löwenbräum. Statt schicker Shops, bietet das Label vertretbare Preise.

Für Herrenkleider ist Zürich eine Wüstenei. Besonders wenn man wie unsereins ein wenig zum Modetussi neigt. Dummerweise habe ich ein paar Jahre in Paris gelebt, und werde deshalb nie mehr ganz vom Hang zu anständigen Gewandungen los kommen.Hinter mir gelassen habe ich aber den Drang zu Markenkleidern. Jeder, der etwas von Luxusbrands versteht, weiss, dass Designerklamotten so exorbitant teuer sind, weil erstens die Margen so hoch sind. Zweitens weil so viel Geld in Werbung und Shops investiert wird. Irre Fotografen die besten Mannequins der Welt an ausgesuchten Locations, Defilees mit Stars und Glamour, Werbeseiten in den sschickestenHochglanzmagazinen und Flagshipstores an teuersten Lagen, das muss ja nicht sein. Oder wenigsten: Das muss nicht ausgerechnet alles von mir bezahlt werden.

Grüne Schuhbänder: Modetussi bei der Anprobe

Kurzum, seit vielen Jahren bin ich zwar ein Modetussi aber kein Fashionvictim mehr. Deshalb kaufe ich meine Garderobe an drei Orten.

Erstens im Pariser Schwulenviertel Marais, wo die Konzentration an Männerboutiquen so hoch ist, dass eine gesunde Konkurrenz herrscht, die sich in den Preisen niederschlägt. Faustregel dabei: Grosse Brands nicht einmal anprobieren. Zweitens lasse ich mir Anzüge in Asien auf Mass kopieren oder nach eigenen Vorstellung fertigen. Ein guter Massanzug kostet in Saigon, Hongkong oder Bangkok etwas zwischen zweihundert und fünfhundert Franken, je nach Schneider und Verhandlungsgeschick.

Drittens kaufe ich Anzüge und Mäntel bei Clemens en August, einer deutschen Designmarke, deren Produkte mit passen. Das fängt schon bei der Grösse an. Mit eher schmalen Schultern und Grösse 1.74 trage ich Anzüge der Konfektionsgrösse 46. Als ich mein Glück zuweilen noch in Zürichs Shops versuchte, hiess es meist: „Das ist die kleinste Grösse, das führen wir nicht.“ Worauf ich zu fauchen pflegte: „Ich weiss, ich bin ja auch ein verdammter Zwerg!“

Nicht bei Clemens! Nicht bei Clemens. Die Sachen stehen mir aber auch sonst. Und ich mag die Idee, dass Clemens keine Flagshipstores und meines Wissens auch keine Werbeabteilung hat. In Vanity Fair und Vogue ist mir die Marke auf jeden Fall noch nie begegnet.

Provisorischer Shop: Kollektion in der Galerie

Die Kollektion reist von Stadt zu Stadt, und ist dann während eins bis drei Tagen irgendwo zu Gast, momentan im Löwenbräu in der Galerie Francesca Pia.

Clemens in Francesca: Der Shop in der Galerie

Das erlaubt wohlfeilere Preise, wobei ich mir sicher bin, dass Clemens mit der Idee richtig Reibach macht. Die zwei Anzüge jedenfalls, die ich mir erstanden habe, sind zwischen vier und fünfhundert Euro und passen perfekt zur Garderobe eines eingefleischten Modetussis.

Gekauft: Mein neuer Anzug

Frauenkleider gibts übrigens auch.

Clemens en August in Zürich

Freitag 19.10 und Samstag 20.10, 11 bis 20 Uhr

GalerieFrancescaPia, Limmatstrasse 268, Zürich

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