Das Volk hatte nicht immer recht

Nun bekommt das Tram Zürich-West also eine ansehnlich gestaltete Endhaltestelle am Bahnhof Altstetten. Die Zürcher Stimmbürger sagten heute mit fast 60% Ja zum Vulkanplatz. Es scheint, als hätten sie aus der Vergangenheit gelernt.

Ich will ja niemandem die Freude verderben am erhöhten Trambetrieb in Züri-West, aber der neue Knotenpunkt am Escher-Wyss-Platz (siehe Bild oben) ist für mich - äusserst milde ausgedrückt - ein städtebaulicher Fauxpas. Im be(lebte)sten Fall wird der Platz aussehen wie ein Tram-Rangierbahnhof. So etwas dürfte einer attraktiven Stadt eigentlich nicht passieren.

Irgendetwas fehlt diesem Platz mit den vielen Schienen, Weichen, Säulen aber ohne Seele. Das Nagelhaus - Sie erinnern sich - "die 5,9 Mio. für e Schissi", welche die Stimmbürger Ende September 2010 mit knappem Mehr bachab spülten.

Das Nagelhaus (pd)

Der Komplex der Londoner Architekten Caruso St. John und des Künstlers Thomas Demand hatte ein Restaurant, Kiosk und Toilettenanlagen vorgesehen. Alles mit einem künstlerischen Anspruch, der sich an das Haus einer Chinesin anlehnte, die sich in Chongqing - vergeblich - gegen eine Grossüberbauung gewehrt hatte.

SVP-Plakat gegen das Nagelhaus-Projekt

Die praktisch identische Koalition, die letztes Jahr das Nagelhaus verhinderte, ist diesmal gegen "4 Millionen für einen goldenen Kiesplatz" angetreten.

Plakat von SVP, FDP und CVP gegen das Vulkanplatz-Projekt

Und ist gescheitert. - Als Escher-Wyss-Platz-Habitué mag ich den Vulkanplatz-Usern ihren durchgestalteten Stadtraum von Herzen gönnen. Ich hätte einfach gerne etwas zurück. Zum Beispiel von Mauro Tuena, dem Fraktionschef der SVP im Gemeinderat. Er sagte damals nach seinem Abstimmungssieg gegen die "Schissi" zur NZZ, die Stadt könnte "die Aufgabe der Aufwertung des Areals nun Privaten übergeben, allenfalls durch Abgabe von Boden im Baurecht". Jetzt könnte er doch sagen, wie er dies damals genau gemeint hatte.

Projekt Vulkanplatz (pd)

So, das mal mein Statement. Jetzt interessiert mich allerdings: wie gefällt denn euch der neue Escher-Wyss-Platz?

  • Jörg Zehnder 28.11.2011 07.48 Uhr

    da pflichte ich dir aussnahmslos bei. laufe täglich über den escherwyssplatz zur arbeit und bin jedes mal "geflasht" über so viel beton und teer. etwas grün würde nicht schaden, keine bäume wegen der stromleitungen, aber es gibt alternativen. auf dem alten platz gab es wenigstens einen brunnen als farbklecks. was mir am platz gefällt sind die geschwungenen treppenaufgänge zur bushaltestelle.

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