Das rockt, Mann!

Zugegeben, wir Zürcher gelten nicht gerade als die Waghalsigsten in Sachen Mode. Doch es gibt sie, die Helden, die tapfer gegen die Konformität ankämpfen. Eine davon ist Sandra Kuratle, welche seit 1996 unter ihrem Label Amok Männerröcke designt. Auch ihre Kreationen gibt es am 5. und 6. Mai von 11 bis 18 Uhr am Kreislauf 4+5 zu entdecken.

Am Dienstag um 17.34 Uhr bei den Viaduktbögen, da sah ich ihn: Den Mann im Rock. Keine offenherzige Transe, sondern ein gutgekleideter Mitdreissiger in einem lässigen Jeansrock. Ich wusste sofort, wer dafür verantwortlich war: Sandra Kuratle. Die Idee, den Männern zu mehr luftiger Beinfreiheit zu verhelfen, kam der Designerin während ihrer Ausbildung. Viele bekannte Labels hatten damals ihre Interpretationen des Rockes für den Mann auf dem Laufsteg gezeigt. Kuratle war davon so begeistert, dass sie als Diplomarbeit eine Kollektion von Männerröcken entwarf.

Zu ihrem Glück war das zur Glanzzeit der Streetparade und der Technobewegung (wir erinnern uns: Nylonshirts, Neoprenjacken, Plateauschuhe, Gesichtspiercings – typisch 90er!). Die Röcke wurden ihr förmlich aus der Hand gerissen, ihr Label galt plötzlich als der letzte Schrei und verkaufte sich international.

Doch mit dem Tod des Techno-Hypes blieben auch die männlichen Fashionistas fern, da sie bereits neueren Trends nachrannten. Was blieb, waren ein paar Alternative, die den Rock als Teil ihres Lebensgefühls empfanden und die anzogen, was gefiel und bequem war, anstatt was gerade als „in“ galt.

„Die Männer sind wieder konservativer geworden, sie getrauen sich weniger in Sachen Mode“, bedauert Sandra Kuratle. Aus diesem Grund verkauft die Designerin seit 2001 auch Hosen. Ausserdem findet der modische Mann von heute in ihrem Laden an der Ankerstrasse 61 Hemden, T-Shirts und Unterhosen. Für Frauen gibt es ebenfalls eine kleine, aber feine Auswahl an geschneiderten Kunststücken.

Ihr langjähriger Freund ist übrigens auch Rockträger, jedoch war er das bereits, bevor Kuratle ihn kennengelernt hatte. „Mangels Angebot hatte er sich selber welche zusammengeschneidert.“ Das muss er nun definitiv nicht mehr, denn bei der grossen Auswahl im Geschäft im Kreis 4 wird er bestimmt fündig. Der Standort unweit der Langstrasse gefällt der Designerin übrigens besonders gut. Für sie sei hier das echte Zürich, fernab von Bahnhofstrasse und Bänkerwahnsinn. Hier lebten die „richtigen“ Zürcher, Leute mit Charakter und Mut. Und Männer, die Röcke tragen.

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