Backstage im Kino

Wie funktioniert das mit dem Abspielen der Filme? Aus was besteht die Leinwand? Und wie viel Popcorn wird täglich verkauft? Wir haben nachgefragt.

Bereits als Kind war das Abaton – damals hiess es noch Cinemax – mein Lieblingskino. Unzählige Trick- und Kinderfilme schaute ich mir hier an. Dabei schielte ich manchmal nach hinten in der Hoffnung, einen Blick auf das Gesicht des Mannes werfen zu können, welcher den Filmprojektor von seinem Räumchen aus bediente. In meiner kindlichen Vorstellung drehte er an einer Kurbel, damit die Filmrolle sauber abgespielt wurde. Heute weiss ich, dass es etwas anders funktioniert. Ich durfte nämlich hinter die Kulissen des Abaton schauen.

Die kleinen Räume für die Operateure – so heissen die Filmvorführer – existieren tatsächlich und sind je mit einem massiven Projektor ausgestattet. Sogar eine Filmrolle liegt bereit. Allerdings, so erklärt mir Teamleiter Stefan Holliger, werden die meisten Filme heutzutage digital abgespielt, also von einem Computer aus. Bis Ende Jahr sollen dann alle digital ablaufen. Übrigens gibt es im Abaton nur einen einzigen Operateur, der für alle zwölf Säle zuständig ist. Wie die analoge Abspielung funktioniert, zeigt das Video am Ende des Artikels.

Zehn der Kinosäle befinden sich im alten Teil, die beiden grössten, das Abaton A und B, sind im Neubau angesiedelt. Insgesamt hat es 2284 Plätze, je 400 davon in den Sälen A und B. Jede Leinwand ist aus weisser Kunststofffolie gefertigt und hat kleine Löcher drin, damit der Schall der drei Lautsprecher, welche dahinter platziert sind, durchdringen kann. Im Saal sind weitere Lautsprecher aufgestellt, jedoch sind das blosse Surround-Lautsprecher, welche dazu da sind, gewisse Soundeffekte zu erzielen. Zum Beispiel wenn im Film ein Helikopter von hinten heranfliegt, hört das Publikum diesen durch den Lautsprecher zuhinterst im Saal, damit es möglichst realitätsnah wirkt.

Realitätsnah sollen auch 3D-Filme wirken. Das Geheimnis dieser Technik: Pro Sekunde flimmern 24 Bilder über die Leinwand. Normalerweise wird jedes Bild doppelt abgebildet. Um den 3D-Effekt zu erzielen wird jedes Bild sechs Mal abgebildet und zwar immer abwechselnd links und rechts. Die Bilder überlappen dabei und ohne 3D-Brille sieht es dann unscharf aus. Mit der Brille allerdings scheinen die Bilder aus der Leinwand zu treten. Obwohl sich Filme in 3D grosser Beliebtheit erfreuen, glaubt Stefan Holliger nicht daran, dass zweidimensionale Filme irgendwann aussterben werden.

Egal ob in 3D oder im herkömmlichen Format, die meisten Streifen werden von Freitag bis Sonntag geschaut. Bis zu 3‘000 Besucher kann es an einem dieser Tage geben, wobei es im Winter mehr Leute ins Kino zieht als im Sommer. Darum ist im Winter auch mehr Personal angestellt. Neben den Ticketverkäufern beschäftigt das Abaton einen Operateur, Manager, Team- und Betriebsleiter, Reparateure und Platzierer, welche oft auch als Kioskverkäufer funktionieren. Obwohl man am Kiosk mittlerweile von Eiscreme über Gummibären bis hin zu Nachos und Hot Dogs so ziemlich alles kaufen kann, ist das traditionelle Popcorn immer noch der beliebteste Snack bei den Kinobesuchern. Bei regem Betrieb gehen gut 100 Kilo Mais über die Ladentheke. Zum richtigen Kinoerlebnis gehört halt nicht nur der Film selber, sondern auch die gepolsterten Stühle, der butterig-salzige Geruch von frischem Popcorn, das Rascheln der Tüten und der 5.1-Surround-Sound. Darum gehen auch im Zeitalter der Downloads und Internet-Piraterie viele Leute weiterhin gerne ins Kino. Ich werde auch bald wieder einmal gehen. Und dabei an den Mann denken, der in seinem Kämmerchen hockt und an einer Kurbel dreht. Auch wenn ich weiss, dass er nicht existiert.

  • Dr Marf 13.1.2014 18.01 Uhr

    Yolo Bruder

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