Aufbrechen. Loslassen. Eintauchen.

“Neugier ist ein verletzliches Pflänzchen, das nicht nur Anregung, sondern vor allem Freiheit braucht.”, sagte mal Albert Einstein, wie recht er doch hatte! Neugier kann aber auch eine Raubkatze sein. Ihr Revier ist der undurchdringliche Teil des Dschungels, den wir Bewusstsein nennen. Dort verbirgt sie sich, schläft, stellt uns nach oder verbeisst sich in unserem Verstand.

Neugier macht uns hungrig, hungrig auf das Leben, hungrig nach Erkenntnis und kann uns auch in ziemlich gefährliche Situationen bringen. Aber ganz gleich wohin sie uns auch führt, sie macht uns immer frei. glaston weiss das und genau dorthin, wo wir frei sein sollten, wollen sie uns mit ihrer Musik teleportieren. Die einzige Voraussetzung dafür, dass dieses kulturelle Experiment auch gelingt ist, man sollte ein Prise Neugier in sich tragen.

glaston sind: Jake Gutzwiller (Gitarre)

Ob Jake und Timo im Kindergarten, beim gemeinsamen Legoburgen bauen, schon daran dachten einmal eine Post-Rock Kapelle ins Leben zu rufen? Durchaus möglich, denn wie es sich später noch zeigen sollte, verband die zwei Zürcher viel mehr als nur Freundschaft. Ein paar Jahre später näherte sich Selina den beiden in spontanen Jamsessionen, bei denen die Pianistin zwischendurch mal mitmachte. Zu diesem Zeitpunkt ging indes die erste Band von Jake und Timo auseinander, aber etwas war schon mal klar, die drei spielten auf der gleichen Wellenlänge. Von chronischen Gliederschmerzen geplagt, musste Selina öfters mal Pausen am Piano einlegen. Mittels regelmässiger Physiotherapie schafft es die Psychologiestudentin jedoch ihre Schmerzen mittlerweile einzudämmen.

Selina Maisch (Piano)

Zu dritt suchten sie lange nach einem geeigneten Schlagzeuger. Per Internetanzeige fanden sie nach einigen Besetzungswechseln dann zufälligerweise David Preissel. Dave war in der Schweizer Rockszene kein ungeschriebenes Blatt. Mit seinen zehnjährigen Erfahrungen, die er bereits bei der national bekannten Hard Rock Band Pure Inc. sammeln konnte, passte der umtriebige Basler perfekt zum Trio. „Ich wollte schon immer in einer Band mit Piano spielen, ausserdem gefiel mir der experimentelle Stil von Anfang an.“ Nach ein paar Proben wurde Dave bewusst, dass er mit seinem Schlagzeug die Gruppe in verschiedene Richtungen lenken kann. Der Drummer gab der Band noch die letzte nötige treibende Kraft; und glaston war geboren.

Gesang stört nur

EP-Cover. "Sailing Stormy Waters" von Felicia Simion.

Das Cover der neuen EP zeigt einen Mann in einem kleinen Boot, allein, verlassen, irgendwo auf einem See, umgeben von hohen Bergen. Man kann nicht sagen, ob es Tag ist oder Nacht, denn das trübe, tiefe Grün auf den Bergspitzen trügt. Der Mann steht im Boot, wenn auch etwas gebückt, wie wenn er nach etwas greifen würde. Überdeckt wird dieses Bild von weissen Flecken, als ob die Fotografin grosse Regentropfen auf der Linse gehabt hätte. Aber es regnet nicht mehr, die schweren grauen Wolken ziehen vorbei und am oberen Rand des Bildes öffnet sich der Himmel, so als würde es gleich wieder heller werden. Dass glaston dieses Bild für ihre erste EP wählten ist natürlich kein Zufall. Für die vier Musiker trifft die Fotografin Felicia Simion mit diesem Schnappschuss genau die Stimmung, welche die Band mit ihrer Musik wiedergeben will. „Sailing Stormy Waters“ hat die Künstlerin ihr Bild getauft. Und auf diesem Konzept bauten glaston ihr erstes Album auf.

Timo Beeler (Bass)

So treten wir mit ihnen gleich beim ersten Stück der EP eine stürmische Reise an. Mit drängendem Tempo, das aber immer wieder von einer harmonischen, elfenhaften Leichtigkeit gezügelt wird, werden wir in die Idylle eines Liedes ohne Worte getragen. Die einander abwechselnden heiteren und düsteren Akkorden stützen uns in ein rhythmisches Abendteuer, voller Leidenschaft, voller Umbrüche. „Bei instrumentaler Musik kann jeder für sich entscheiden, wie er sie aufnimmt und interpretiert. Wir wollen, dass unsere Hörer in verschiedene Welten eintauchen können, ohne ihnen vorzugeben in welche. Gesang würde diesen Prozess nur stören.“ erklärt die Band.

Am Ende des ersten Stückes fühlt man sich, als wäre man durch eine riesige Welle an den Strand gespült worden. Es ist dieses Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber der Kraft der Natur, es ist dieser Geschwindigkeitsrausch, es ist der Instinkt des Überlebens, den man in der Musik glastons spürt. Es sind aber auch progressive und melodische Einflüsse von Bands wie Yann Tiersen, Sigur Rós, God Is An Astronaut oder A Perfect Circle zu hören.

Die EP erinnert mich an Geschichten aus Homers Odyssee, oder Huckleberry Finn und ständige sehe ich William Turners Schiffbruch-Gemälde vor mir, aber sie erinnert mich bestimmt an nichts, das ich so schon mal gehört habe. Vielleicht verstehe ich nicht alles, vielleicht bin ich auch noch nicht bereit, mich auf solch eine Reise zu begeben, aber ob ich es will oder nicht, glaston ziehen mich mit ihren fulminanten Klängen auf ihr Boot. Auf ein Mal stehe ich wie ein zögernder, eingeschüchterter Matrose an Deck, ungeachtet dessen, dass ich meiner Reise nicht sicher bin, fühle ich mich stark genug sie zu überstehen. Denn das sagt mir die Musik von glaston: Egal wie stürmisch deine Reise ist, du wirst überleben...

Morgen, Freitag der 07.11. taufen glaston ihre erste EP „Sailing Stormy Waters“ im Exil.

Türöffnung: 19Uhr

Und David Preissel (Drums).
Im Mai 2014 nahm die Band 4 Songs auf und produzierte ihre erste EP mit dem Titel “Sailing Stormy Waters”. Auf dem Album sind ebenso die Gastmusiker Solme Hong (Cello) und Khinhong Yip (Violine) zu hören.
Die experimentierfreudigen Konzeptmusiker liessen für ihren Bandnamen die Wörter Glas und Ton eins werden. Damit wollen sie auf die Transparenz und Zerbrechlichkeit in jedem Ton ihrer Musik aufmerksam machen.
Im Gespräch mit glaston

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